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Hausruckbahn Teil 2: Von Ried im Innkreis nach Attnang-Puchheim

Als Hausruckbahn wird der nördliche Ast der (historisch) sogenannten Salzkammergutbahn Stainach-Irdning - Attnang-Puchheim - Ried im Innkreis - Schärding bezeichnet. Heute wird nur der Abschnitt Stainach-Irdning - Bad Aussee - Bad Goisern - Bad Ischl - Attnang-Puchheim als Salzkammergutbahn bezeichnet, für den nördlichen Abschnitt von Attnang-Puchheim durch das einst kohlereiche Hausruckviertel nach Ried im Innkreis und weiter nach Schärding hat sich die Bezeichnung Hausruckbahn etabliert.

Anschliessend an den Beitrag "Hausruckbahn Teil 1: Direttissima Bezirkshauptstadt Schärding - Bezirkshauptstadt Ried im Innkreis" dokumentierte dieser Beitrag nun die Strecke von Ried im Innkreis durch das Hausruckviertel nach Attnang-Puchheim an der Westbahn.

Als erstes fällt dem Reisenden (negativ) auf, daß er seit Neuem auf der Fahrt von Schärding nach Attnang-Puchheim in Ried im Innkreis oftmals einen Zwangsaufenthalt einlegen muß - die Fahrzeit verlängert sich somit um mehr eine halbe Stunde. Die zweite (offensichtlich von der die Strecke liquidieren wollenden Staatsbahn ebenso gewollte) Unzulänglichkeit betrifft die Fahrkarte - weder am Fahrkarten-Automat in Schärding noch am Automaten im Zug noch über das Onlineticketing im Internet ist es möglich, eine direkte Fahrkarte von Schärding über Ried nach Attnang-Puchheim zu lösen. Es wird immer die wegmässig und zeitmäßig längere und somit auch teurere Variante über Neumarkt-Kallham und Wels angezeigt, die Direttissima über Ried im Innkreis wird verschwiegen - eine Frechheit was hier passiert!

Die Hausruckbahn Schärding - Ried im Innkreis - Attnang-Puchheim. DEEF / Dr. Michael Populorum Railway Research Austria Die Hausruckbahn Schärding - Ried im Innkreis - Attnang-Puchheim. DEEF / Dr. Michael Populorum Railway Research Austria

Alle Wege führen nach Ried im Innkreis - zumindest noch funktioniert der "Rieder Stern"

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Der einzige Vorteil des Zwangsaufenthaltes ist es, dem Bahnhofsresti in Ried im Innkreis, dem Schnitzlwirt, einen Besuch abstatten zu können. Falls dieser zu hat gibt es eine weitere Labungsstelle direkt gegenüber vom Bahnhof.

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Die Fahrzeit von Ried im Innkreis nach Attnang-Puchheim beträgt ca. 40 Minuten. Die Fahrt durch das Inn- und Hausruckviertel ist zwar im Vergleich mit manchen Alpen-/Gebirgsbahnen eher unspektakulär, allerdings mit den gemütlichen Dieseltriebwägen 5047 durch die harmonische Landschaft zu kurven und dabei auch noch die Fenster öffnen zu können, das ist für einen Eisenbahnfreund doch ein echtes und leider immer seltener werdendes Glücksmoment. Und von einigen Langesamfahrstellen abgesehen - die Staatsbahn hat die Strecke ja wahrlich in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt (eher trifft schon abgewirtschaftet zu) - geht die Fahrt recht flott und hurtig vonstatten. Und immer wenn der Autor dieser Zeilen auf der Hausruckbahn unterwegs war dann waren auch die Triebwägen durchwegs gut gefüllt.

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Liebliche und fruchtbare Hügellandschaft im Innviertel; Foto rechts unten Waldreichtum des Hausrucks kurz vor dem Hausrucktunnel Richtung Holzleithen

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Die Bahnhöfe und Haltestellen: Inklusive der beiden Endpunkte Ried im Innkreis und Attnang-Puchheim werden 10 Stationen bedient.

Ried im Innkreis, Bahnhof, km 140,6 (ab Stainach-Irdning); 451,646 m.ü.A.

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Oberbrunn, Haltestelle, km 136,0; 501 m.ü.A.

Eberschwang, Bahnhof, km 132,7; 545 m.ü.A.

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Der Bahnhof: ein Zweckbau aus den 1970er Jahren?; Deutlich älter das Formsignal sowie das Ladesmaß - durch solch´ nostalgische Relikte ist die Strecke auch für Nostalgiezüge bzw. Fotozüge sehr interessant

Hausruck, Bahnhof, km 128,7; 580 m.ü.A.

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Holzleithen, Bahnhof, km 124,4; 601 m.ü.A.; ehem. Abzweig der Kohlebahn nach Thomasroith

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Im Vergleich zu den diversen "schiarchen" Bahnhofsneubauten bzw. Umbauten der Staatsbahn in den letzten Jahrzehnten wirkt dieses Aufnahmsgebäude wahrlich menschlich und herzerquickend - man fühlt sich wohl, auch im Freien auf der Bank unter dem mächtigen Kastanienbaum rechts des Gebäudes

Bergern, Haltestelle, km 121,2; 550 m.ü.A.

Ottnang am Hausruck - Wolfsegg, Bahnhof, km 118,3; 518 m.ü.A.

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Im Bahnhof Ottnang am Hausruck finden standardmässig Zugkreuzungen statt, so auch am 29.8.2012 nachmittags, als der Fahrdienstleiter die beiden 5047er abfertigt

Wolfshütte, Haltestelle, km 113,4

Lehen-Attensam, Haltestelle, km 111,0

Attnang-Puchheim, Bahnhof, km 107,6; 415 m.ü.A.; Übergang zur Salzkammergutbahn nach Stainach-Irdning sowie zur Westbahn Richtung Salzburg und Linz-Wien

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5047 089-7 hat am 16.9.2011 den Zielbahnhof Attnang-Puchheim erreicht. Noch muß man über die Gleise Richtung Aufnahmsgebäude gehen, nach dem bereits begonnenen Umbau bekommt auch Bahnsteig 5 einen barrierefreien Zugang

Kunstbauten:

Einzig hier zu nennen der Hausrucktunnel zwischen den Bahnhöfen Hausruck und Holzleithen, Länge  685 m. Der Tunnel ist (angeblich) dringend sanierungsbedürftig und offenbar einer der Gründe, warum die ÖBB die Strecke einstellen oder an das Land OÖ übergeben möchten.

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Hausrucktunnel, 685 m lange enge Röhre - Einfahrt in den Tunnel von Holzleithen aus (li) und von Hausruck aus

Fahrplan:

Werktags Mo-Fr.: Es gibt 9 direkte Verbindungen. Der erste Zug ab Ried um 5.33, der letzte um 19.14. Ab Attnang-Puchheim die 1. Verbindung morgens um 5.49, der letzte Zug abends verläßt den Bahnhof Attnang-Puchheim um 20.08 (Stand Feber 2013). Somit ein 2-Stundentakt mit Verdichtung am Nachmittag. Schwachpunkt: Es fehlt die leicht zu merkende immer gleiche Minute wo die Züge abfahren :-(

Sa, So, Feiertage: Am Sonntag ist das Angebot eine Farce - von Attnang-Puchheim nach Ried gibt es nur 4!! tägliche Verbindungen, nämlich Abfahrt 9.08, 16.24, 19.16, 20.08. In der Gegenrichtung ebenfalls nur 4 Kurse - völlig ungeeignet um einen Ausflug zu machen, tagsüber ist im Klartext gesprochen "Betriebsruhe". Am Samstag gibt es 8 Kurse im Quasi-4-Stunden-Takt, was akzeptabel ist.

Eingesetzt werden aktuell Triebwägen der BR 5047 ("Jenbacher Dieseltriebwagen"). Der spärliche Güterverkehr erfolgt im Regelfall in BR 2016-Traktion.

Fazit / Empfehlungen:

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Der "Rieder Stern" als Taktknoten mit Verteilerfunktion von/nach Schärding, Attnang-Puchheim, Braunau am Inn / Simbach (Inn), Neumarkt-Kallham funktioniert (noch) "innerhalb akzeptabler Parameter", sollte vor allem hinsichtlich der Taktfrequenz noch weiter optimiert und nicht ausgedünnt werden

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Dringendste Empfehlung (=Forderung) ist eine Durchbindung der Kurse Schärding - Ried im Innkreis - Attnang-Puchheim, ein Umsteigen bzw. Zwangsaufenthalt in Ried i. Innkreis ist ein grober Unfug

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Dass man keine Fahrkarten Schärding - Attnang-Puchheim auf der Direttissima über Ried im Innkreis kaufen kann, und zwar weder am Automaten am Bahnhof Schärding, noch im Automaten im Zug noch im Internet beim Onlineticketing ist wirklich ein Skandal - wenn man seitens der Staatsbahn die Strecke vernichten will dann sollte man es doch wenigstens nicht so offensichtlich mit grenzwertigen Methoden machen (wobei die Kunden auch noch mehr zahlen müssen über die längere Strecke über Neumarkt-Kallham - Wels)

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Der Fahrplan besonders am Nordast der Hausruckbahn von Schärding nach Ried im Innkreis ist schlecht, am Sonntag auf der gesamten Hausruckbahn sehr schlecht und inakzeptabel. Am Sonntag bspw. von Attnang-Puchheim nach Ried nur 4 Kurse zu führen (davon 1 gegen 9 Uhr, dann erst wieder am späten Nachmittag) ist ein Witz und völlig ungeeignet, die Bahn im Freizeitverkehr zu benutzen. Es wird empfohlen, einen durchgängigen 2-Stunden-Takt zu etablieren und zwar auf der Gesamtstrecke Schärding - Ried - Attnang-Puchheim, dann kann man die Bevölkerung motivieren, das umweltschädigende Kfz gegen die Bahn einzutauschen. Dazu gehören nicht nur berufsbedingte Fahrten als Pendler unter der Woche sondern auch Fahrten in der Freizeit am Wochenende > adäquater Taktverkehr auch am Sonntag - so wie am Samstag, also 2-Stunden-Takt!!

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Langsamfahrstellen sind prompt zu beseitigen und durch weitere Streckenoptimierungen (u.a. durch Auflassen bzw. höherwertigere Absicherung von Eisenbahnkreuzungen) kann somit die Geschwindigkeit erhöht und die Fahrzeit reduziert werden

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In Summe gesehen: Die Strecke hat Potential und sollte attraktiviert statt stillgelegt werden - eine Stilllegung auch nur des Nordastes wäre ein weiteres Armutszeugnis der Österreichischen Verkehrspolitik

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Nostalgische aber zuverlässige Formsignale sind an der Hausruckstrecke allgegenwärtig; Hektometerstein, beides  im Bahnhof Hausruck

 

Quellen:

Hager Christian, 1995: Die Bahnen im Innviertel. Bahn im Bild Band 92

Christopher Andreas, 1988:  Kohlebahnen im Hausruck. Bahn im Bild Band 64

Aschauer, Franz, 1964: Oberösterreichs Eisenbahnen. Geschichte des Schienenverkehrs im ältesten Eisenbahnland Österreichs. Schriftenreihe der oö. Landesbaudirektion, Band 18. Wels.

Wikipedia

 

Links:

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur Railway Research Austira / DEEF;  Erstmals Online publiziert: 16. Feber 2013; Ergänzungen: :

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Last modified  Sonntag, 24. Mai 2015 22:13:44 +0200
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