DEFF Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung Dr. Michael Populorum AustriaEisenbahnforschung # Eisenbahn-Archäologie # Eisenbahn-Geographie # Eisenbahn-Geschichte

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Nebenbahnromantik auf der Aschacher Bahn von (Wels-) Haiding nach Aschach an der Donau

Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011. Regionalzug Richtung Passau hält am neuen Mittelbahnsteig des Bahnhofs HaidingDie Aschacherbahn ist eine normalspurige, nicht elektrifizierte und knapp 21 km lange Nebenbahnstrecke, welche im Bahnhof Haiding von der Passauer Strecke (Wels-Passau) bei km 7,2 abzweigt und über den Bezirkshauptort Eferding (Kreuzung mit der LILO Linz-Neumarkt-Kallham bzw. Peuerbach) und das intensiv landwirtschaftlich genutzte Eferdinger Becken nach Aschach an der Donau führt. Nachdem der Personenverkehr ab 2000 stark ausgedünnt und auf Busse verlagert wurde steht heute eindeutig der Güterverkehr im Vordergrund.

Eine Fahrt mit der Aschacherbahn ist unspektakulär, es ist allerdings ein Genuß, an einem schönen Tag bei geöffneten Fenstern mit einem 5047er durch die großteils bäuerlich geprägte Landschaft zu dieseln - bei der aktuellen Verkehrspolitik (eigentlich "Politikversagen") muß man leider dazu sagen "Wie lange wohl noch...".

Ein kurzer Steckbrief der Aschacherbahn

Geschichte / Betreiber: Die Aschacherbahn wurde am 20. August 1886 legitimiert durch die "Concessionsurkunde vom 10. October 1885 für die Locomotiveisenbahn von Wels (Haiding) nach Aschach an der Donau" eröffnet. Oberegger verweist darauf, daß die Aschacherbahn ursprünglich Teil einer von den Welsern 1872 angedachten „Nordsüd-Bahn“ aus dem Raum Strakonitze (heute Strakonice, Böhmen) bis nach Rottenmann (Selzthal) war, welche allerdings bedingt durch die Wirtschaftskrise von 1873 nur partiell verwirklich werden konnte. Erbauer und Eigentümerin der Strecke war die von der Stadt Wels gegründete "Lokalbahn-Gesellschaft Wels–Aschach", welche nach dem Bau der Strecke von Wels über Sattledt nach Unterrohr (spätere Almtalbahn) dann als "Welser Lokalbahn AG" firmierte. Im Jahre 1942 verstaatlicht (Deutsche Reichsbahn) erfolgte nach dem Krieg bis heute die Betriebsführung durch die  Österreichischen Bundesbahnen, jedoch der Güterverkehr seit dem 9. Dezember 2007 durch den privaten Anbieter Stern & Hafferl.

Besonderheit der Betriebsführung: Die Züge verkehren seit jeher ab Wels Hbf auf der Passauer Bahn (eröffnet 1861). Bis zum kompletten zweigleisigen Ausbau der Passauerbahn (1938) konnte die Lokalbahn bereits seit 1906 auf einem eigenen Gleis von Wels nach Haiding geführt werden. Die auf diesem Abschnitt befindliche Haltestelle Wels Puchberg (früher Puchberg bei Wels) wurde bis zu deren Auflassung im Jahre 1996 von den Regionalzügen der Aschacher Bahn mit bedient.

Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Der Bahnhof Haiding hat ein schmuckes Bahnhofsgebäude, welches im Sommer 2011 noch besetzt zu sein schien. Die Funktion als Dienstleistungsstätte für die Kunden hat es aber schon - wie so viele Artgenossen - im Rahmen der "Bahnhofs-Verschlimmbesserungsoffensive" verloren - Glaskobl statt beheiztem Warteraum mit Schalter oder Fahrkartenautomaten sowie versperrte Toiletten sind das Ergebnis dieser Verschlimmbesserungen.

Links oben: Ein 5047er durcheilt auf einer Überstellungsfahrt den Bahnhof Haiding Richtung Schärding/Passau. Nach rechts nach der 50er-Tafel zweigt die Aschacherbahn ab und verliert dabei gleich deutlich an Höhe.
Foto oben: An den Schienen hinter dem ehem. Lagerhaus (heute neue Nutzung), welche immer noch an die Aschacherbahn angeknüpft sind, sieht man u.a. Walzzeichen DWZ 1916 bzw. 1917.
Linkes Foto: Der 5047er steht am Sonntag 25. September bereit zur Abfahrt nach Aschach an der Donau

Streckenlänge: Haiding-Aschach an der Donau 20,5 km. Daran schließt sich noch eine 1894 errichtete Schleppbahn (vormals tw. mit Personenverkehr) in das Donaukraftwerk Aschach an.

Stationen: Insgesamt 11 Stationen (Bahnhöfe und Haltestellen inkl. der Endpunkte) werden bedient, wobei die meisten Stationsgebäude im ruralen Raum einfache Unterstände (neuerdings aus Beton) sind. Die Stationen sind (in km von Haiding, Höhenangaben bezogen auf den Pegel von Triest):

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Haiding (0,0; 320 m ü.A.)

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Breitwiesen (2,5)

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Finklham (5,3)

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Breitenaich (6,9)

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Kalköfen-Daxberg (8,4)

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Lahöfen (10,6)

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Eferding (12,5; 271 m ü.A.)

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Leumühle (14,7)

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Pupping (17,0)

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Karling (18,5)

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Aschach an der Donau (20,5; Seehöhe 274 m ü.A.)

Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Links oben: Die erste Station Finklham, Betonunterstand mit Holzbank und Fernmelder. Rechts oben: Ehem. Ladegleis zum noch stehenden Lagerschuppen in der Station Breitenaich. Links unten: Der Bahnhof von Eferding ist besetzt und beherbergt im Anbau rechts auch eine Bahnhofsgaststätte ("B & W´s Bistro e.V."). Unten rechts: Die Remise in Eferding als Weggabel - rechts führt die LILO nach Linz, die Aschacherbahn zweigt nach links ab

Traktionsart: Diesel, im Einsatz aktuell im Personenverkehr Triebwägen der Reihe 5047.

Spur: Normalspur 1.435 mm, eingleisig

Funktion: Schwerpunkt im Güterverkehr, besonders zur Agrana-Fabrik (Zucker, Zellulose) in Aschach

Frequenz: So gut wie alle Verbindungen werden mit Autobussen abgewickelt, also "eingeschränkter Betrieb". An Werktagen (Mo-Fr, aber auch nicht durchgängig, nämlich nur an Schultagen) gibt es 1 Verbindung zeitig in der Früh (ab Haiding 5.38, Aschach an 6.13) sowie im Sommerhalbjahr 1 Verbindung an Samstagen, Sonn- und Feiertagen (ab Haiding 15.04, an Aschach 15.36). Der Triebwagen dreht dann in Aschach um und so gibt es in der Gegenrichtung auch jeweils 1 Verbindung (werktags ab Aschach 6.27, Haiding an 7.04, Sa/So/FT ab Aschach 16.59, an Haiding 17.32). Der Verkehr hier in der Fläche muß eindeutig als ungenügend angesehen werden, eine Motivation zum Umstieg auf Zug aber auch Bus ist in keiner Weise gegeben.

Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Salat und Gemüse wohin das Auge reicht - das Eferdinger Becken ist ein traditionelles Anbaugebiet Kurz vor dem Bahnhof Aschach zweigt nach rechts ein Anschluß zur Agrana ab (Zuckerverarbeitung)
Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011 Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011
Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011 Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011
Im Endbahnhof Aschach an der Donau steht ein schmuckes aber - wie schon zu erwarten gewesen - für den Kunden ausser Nutzung gefallenes Bahnhofsgebäude. Es wird jedoch rechter Hand überragt von den Gebäuden des Zuckerindustriebetriebes Agrana, Neben zahlreichen Güterzugwagen ist auch dieser Vollert Rangier Robot 100 ein Zeichen von der Bedeutung des Schienenanschlusses für diesen Betrieb

Ausblick: Wie der Schienenverkehr generell in Österreich besteht auch bei der Aschacherbahn Potential, neue Kunden zu gewinnen. Allerdings hat die desaströse Verkehrspolitik in Österreich in den letzten Jahren eher eine Kundenvertreibungspolitik betrieben anstatt Anreize für den Umstieg um Umweltverpester Auto auf die umweltfreundlichen Schienenverkehrsmittel zu schaffen. Für die Aschacherbahn besteht Potential auf alle Fälle im Pendlerverkehr (Schüler, Arbeitende) sowie im Tourismus (u.a. Verbindung zum Donauradweg sowie Ausflugsverkehr / Schiffstouristik). Allerdings wäre dazu die Bedienung der Donaulände von großer Wichtigkeit (Nutzung der Anschlußbahn für den Personenverkehr).

Seitens der Linzer Lokalbahn (LILO) besteht Interesse, zumindest den Abschnitt von Eferding nach Aschach an der Donau in das Streckennetz zu integrieren und somit eine direkte Verbindung von/nach Linz zu etablieren.

Literatur / Links / Quellen:

Aschauer, Franz, 1964: Oberösterreichs Eisenbahnen. Wels

Oberegger, Elmar, 2008: Aschacher Bahn. Obereggers Eisenbahn-Web-Enzyklopädie, Sattledt

DEEF - diverse Internetpublikationen

      Die Aschacherbahn von Haiding an der Passauerbahn nach Aschach an der Donau. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011           

Die "Theodor Körner" war an diesem sommerlichen Herbsttag nicht das einzige Touristenschiff, das in Aschach anlegte. Die Donaulände und die zahlreichen Lokale waren voller Ausflügler zu Rad, zu Schiff und zu Auto. Um die Donaulände auch für Eisenbahnreisende sowie Radler zu attraktiveren, müßte die Aschacherbahn wieder zur Donaulände geführt werden, wie das schon in den Jahren 1898-1914 und 1932-1937 der Fall war 

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur DEEF;  Erstmals online publiziert: 17. Dezember 2011; Ergänzungen: :

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Last modified  Sonntag, 24. Mai 2015 22:13:41 +0200
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