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Die Vinschgaubahn von Meran nach Mals - Eine Tiroler Erfolgsgeschichte der Neuzeit

foto bild picture image Vinschgerbahn Vinschgaubahn  Meran Mals Michael PopulorumDie Vinschgaubahn (Vinschgerbahn, Vintschgaubahn, italienisch Ferrovia della Val Venosta) stellt die Verbindung per Schiene zwischen der bekannten (Süd-) Tiroler Fremdenverkehrsstadt Meran und Mals im westlichen Vinschgau sicher.

Die nicht-elektrifizierte Strecke ist normalspurig, 60 km lang, hat eine maximale Neigung von 29 Promille und ist mit einer Streckenhöchstgeschwindigkeit von 100 km/h zu befahren.

In Meran besteht Anschluss an das Südtiroler sowie Italienische Bahnnetz via Bozen Richtung Brenner bzw. südwärts Richtung Trient und Verona.

In Mals besteht stündliche Postautoverbindung in die Schweiz nach Zernez (Anschluß an die Engadinlinie der Rhätischen Bahn) sowie ein (deutlich schlechteres) Busangebot über den Reschenpaß nach Österreich.

Die Bahnstrecke wurde 1898 als private österreichische Lokalbahn konzessioniert und am 1. Juli 1906 durch die betriebsführende österreichische kkStB. in Betrieb genommen. Für die Vinschgerbahn hatte man ursprünglich jedoch weit grössere Pläne als nur die einer Lokal-/Regionalbahn - sie sollte als Bindeglied für eine weiterführende Strecke über den Reschenpass nach Landeck, also einer zweiten Alpenquerung parallel zur Brennerbahn, dienen. Weiters war eine Anbindung westlich/südlich von Mals an das schweizerische Bahnnetz geplant. Hierbei gab es mehrere Projektvarianten.

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ATR 100 002 ist am 15.7.2007 in Mals angekommen und wird gleich wieder zurück nach Meran fahren

Daraus wurde jedoch bis dato nichts - die wohl in der neueren Geschichte einmalige (im negativen Sinne) Zerteilung einer geschichtlich wie völkisch zusammengehörigen Region (Tirol) mit der bis heute umstrittenen Annektierung der Gebiete südlich des Brenners durch/an Italien machte die Vinschgerbahn zu einem Stiefkind der italienischen FS am äussersten Ende der nördlichen Provinzen. Nachdem Jahrzehnte nichts in die Strecke investiert wurde erfolgte nach Jahren des "Aushungerns" (man vergleiche dies mit der Situation in Österreich im Jahre 2010!) die Stillegung der Strecke am 10. Juni 1990 - Autobusse übernahmen den Personenverkehr, Güterverkehr gab es sowieso keinen mehr.

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2 Stadler GTW am 20.9.2010 im Endbahnhof Mals vor dem Aufnahmsgebäude (links ATR 100 012, rechts ATR 100 008; nebst zahlreichen Regionalbussen sowie dem Citybus in die Stadt wartet auch schon das Schweizer Postauto auf die Abfahrt über Müstair und den Ofenpaß nach Zernez (Anschluß Rhätische Bahn)

Doch die Stimmen mehrten sich - auch im touristischen Bereich - dass die Bahnlinie wieder eröffnet werden solle. Wer den Verkehr auf der Staatsstrasse Mals - Meran kennt, weiss wovon Touristen wie Einheimische sprechen! Nachdem 1999 die Linie in den Besitz des Landes Südtirol übergegangen ist, wurde die Strecke nach einer umfangreichen Generalsanierung am 5. Mai 2005 wieder in Betrieb genommen.

Kurzer Abriß der Geschichte (Quelle: DEEF Print "Die Vinschgaubahn...2014)

Österreich baut, Italien erbt und verschlampt, Südtirol erneuert

1. Jhd.n.Chr.: Via Claudia Augusta wichtige Transitroute im Vinschgau (Raetien)

1830: Reschenbahnprojekt des Venezianischen Bankiers G.G.Levi Richtung Venedig

1845: Reschenbahnprojekt der „Italian and Austrian Railway Company“ in London als Direttissima Calais - Triest

24.11.1858: Eröffnung der k.k. Nordtiroler Eisenbahn Kufstein – Innsbruck

16.5.1859: Eröffnung der k.k. Südtiroler Eisenbahn Verona – Bozen

24.8.1867: Eröffnung der Brennerbahn Innsbruck – Bozen

1867: Geographen-Kongreß in Paris schlägt Idealroute für den Orient Express Paris – Konstantinopel durch den Vinschgau vor
1869: Bahnprojekt Chur – Meran des Schweizer Nationalrates Andreas Rudolf von Planta

4.10.1881: Eröffnung der Bozen-Meraner-Bahn

20.9.1884: Eröffnung der Arlbergbahn Innsbruck - Bludenz

1892: 2 Vorkonzessionen für Bahn Meran – Landeck: Projekt Bauunternehmung Pressel mit tw. Zahnstangeneinsatz und Projekt Bankier Schwarz & Söhne aus Bozen als Normalspurbahn. Wien zeigt den Tirolern wie so oft in causa Vinschgaubahn die kalte Schulter

12. April 1892: Tiroler Landtag erklärt die V. zur Landessache, in Folge Bürgerinitiative

1895: Adolf Guyer Zellers Vision „Engadin Orient Express“ durch den Vinschgau, Wien ist u.a. aus Kostengründen gegen eine internationale Linie, nur Lokalbahn bis Schluderns

1896: Österreichs Eisenbahnminister verspricht normalspurige Lokalbahn bis Mals, eine finanzielle Beteiligung der Interessenten vor Ort und Land Tirol vorausgesetzt

16.7.1901: Finanzierungsabkommen Vinschgaubahn

7.7.1903: Konzession der V. und Gründung der „Vinschgaubahn AG“ mit Beteiligung von Staat, Land, Bozen-Meraner-Bahn, Private. 13.000 Aktien á 200 Kronen wurden aufgelegt. Nach Protesten wurde die geplante Bauzeit von 4 Jahren auf 2 ½ reduziert

2.12.1903: Spatenstich am Tölltunnel. Bauleitung k.k. Baurat Konstantin Ritter von Chabert vom k.k. Eisenbahnministerium Wien

1.7.1906: Feierliche Eröffnung der V. in Beisein von Erzherzog Eugen und dem österr. Eisenbahn-minister Julius Derschatta Edler von Standhalt, Eröffnung auch des neuen Meraner Bahnhofs. Feierlichkeiten an den Bahnhöfen, zum Festmahl im Meraner Hotel Erzherzog Johann gab es als Hauptgänge Donauschill, Gebratene Rindslende sowie Junge Masthühner

Anschaffung von 12 Vierkuppler-Tenderlokomotiven des Gölsdorf-Typs 178, Betriebsführung durch die k.k.StB

1912: Aufwendige Sanierung des Josefsbergtunnel

18.9.1913: Eröffnung der Unterengadinbahn Bever – Zernez – Scuol Tarasp mit geplanter Verlängerung nach Landeck. Eines der vielen nichtrealisierten Projekte im Rätischen Dreieck

1. Weltkrieg: Von 1915-1918 V. wichtige Nachschublinie zur Ortlerfront. Zum Kriegsende endlich – aber zu spät – Bauarbeiten an der Reschenscheideckbahn (Tunnel Landeck..)

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Alter Brunnen im Bahnhof Naturns

1918-1929: Die V. wird vom Italienischen Heer betrieben, Übergabe an die FS (Ferrovie dello Stato)

1930: Wendestern in Mals errichtet („Gleisfünfeck“)

1934: Drehstrom-Elektrifizierung der Bozen-Meraner-Bahn, seither Inselbetrieb auf der V.

1936: Erstmaliger Einsatz der Dieseltriebwagen „Littorina“

1945: Wie schon im 1. WK wird gegen Ende des 2. WK wieder an der Reschenscheideckbahn gebaut

1973-1975: Ersatz der alten Littorine (Fa. Breda) durch neue Triebwägen von Fiat

1987: FS erklären die zwischenzeitlich herabgewirtschaftete V. offiziell zum „ramo secco“ („Dürrer Ast“), den es abzuschneiden (einzustellen) gilt

Ende 1980er: In den Sommermonaten „SEV“ mit aus der Lombardei angemieteten Bussen, florie-render Güterverkehr (Obst, Marmor) wurde schon früher eingestellt

9.6.1990: Letzter Planzug der FS, letzter Fahrplan nur mehr 3 tägl. Zugpaare

2.6.1991: Endgültige Einstellung des Verkehrs

bis Sept. 1992: Sporadische Nostalgiesonderzüge

1993: Auslaufen der 90 Jahre Konzessionsdauer, provisorisches Übernahmeprotokoll zw. Land Südtirol und FS, aber es passiert wenig und Strecke fällt in Dornröschenschlaf

1995: Konzessionserteilung für Personen- und Güterverkehr an die SAD Nahverkehrs AG

13.3.1998: Dekret des römischen Verkehrsministeriums zur Übergabe der Immobilien von FS an Land Südtirol

7.7.1998/3.3.1999: Unterzeichnung der Übergabeprotokolle Land Südtirol, Finanzministerium, FS

2000: Effektiver Beginn der Bauarbeiten unter Führung der STA Südtiroler Transportstrukturen AG

2001: Bahnhoheit beim Land Südtirol, Aufsicht durch TÜV Süd und nicht ital. Eisenbahnbehörde

8.1.2001: Gesamtfinanzierungsplan durch die Landesregierung erlassen, Kosten über 100 Mio. €

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2003: Im Vorfeld der Landtagswahlen am 26.10. mehren sich die Parolen „Kein Zug, keine Stimmen“

15.10.2003: Der erste Stadler GTW kommt für 3 Testfahrten nach Meran

2004: Landesregierung übergibt die Bahnhöfe zur 30 jährigen Nutzung an die Gemeinden

5.5.2005: Feierliche Wiederinbetriebnahme

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Innenansicht Stadler GTW

12.4.2010: Schweres Zugsunglück aufgrund einer Mure zwischen Latsch und Kastelbell, 9 Tote, zahlreiche Schwerverletzte und ein demolierter Triebwagen ATR 100 007.

Sommer 2014: Aufgrund von Engpässen an Triebfahrzeugen tw. SEV mit Bussen

16.12.2014 Südtiroler Landesregierung beschließt die Elektrifizierung und Ausbau der V., Kosten in Summe mehr als 50 Mio. €.

Aktuell gibt es einen Stundentakt zwischen Mals und Meran, einige Züge werden bis Bozen durchgebunden (2012 wieder gestrichen). Die Fahrzeit beträgt für Regionalzüge, die überall halten, ca. 1 Stunde 22 Minuten.  Zusätzlich zu diesen stündlich verkehrenden Regionalzügen gibt es noch einige REX-Züge (somit Halbstundentakt), die nur in den größeren Stationen halten und für die Gesamtstrecke 1 Stunde 9 Minuten benötigen.  Auch die Randzeiten morgens und abends werden gut abgedeckt - der 1. Zug von Meran nach Mals fährt um 5.38, der letzte um 22.46 - somit ist abendliches Flanieren, Essen oder ein Theaterbesuch jederzeit in der Kurstadt möglich ohne auf den Zug verzichten zu müssen - wenn man das mit Österreich vergleicht sind das wahrlich paradisische Zustände.

Die Betriebsführung obliegt der SAD Nahverkehrs AG (Verkehr) sowie der SAB Südtiroler Bahnanlagen GmbH (Infrastruktur). Eingesetzt werden dieselelektrische Niederflur-Triebwägen der Schweizer Firma Stadler vom Typ GTW. Seither erfreut sich die Bahn regen Zuspruchs, sowohl von Einheimischen wie Touristen, die es auch schätzen, ihre Fahrräder in der Bahn mitnehmen zu können. Es gibt sehr günstige Tageskarten bzw. die Mobilcard für 1, 3 oder 7 Tage (Gesamtnetz Südtirol bis Trento inkl. Bussen und einiger Seilbahnen).

foto bild picture image Vinschgerbahn Vinschgaubahn  Meran Mals Michael Populorum DEEF / Dr. Michael Populorum - Die Vinschgerbahn Meran nach Mals als Musterbeispiel für eine erfolgreiche Regionalbahn

Stadler GTW in Doppeltraktion am 15. Juli 2007 im Bahnhof Mals; das Aufnahmsgebäude in Mals bestens renoviert
(man nehme sich daran ein Beispiel in Österreich!!)

Die Erfolgsgeschichte der Vinschgaubahn sollte Vorbildwirkung für diverse Nebenbahnen im In- und Ausland haben, sie kann als Musterbeispiel für eine Erfolgsgeschichte einer Regionalbahn bezeichnet werden.

Auch die Bahnhöfe wurde mustergültig restauriert und werden von den jeweiligen Gemeinden betreut. Inkl. der beiden Endpunkte werden 18 Stationen bedient. Es sind dies (nur der ursprüngliche deutsche Name ist hier angeführt, die Bahnhöfe sind (noch?) auch italienisch bezeichnet, Kilometrierung ab Bozen Hbf.): (In der Printausgabe finden sich detaillierte Fotos von allen Bahnhofsbauten)

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Meran (km 31,5; 302 m.ü.A.), Bahnhofsbuffet/Restaurant

 

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Hier begegnet man noch der Architektur der Belle Epoque - Bahnhof Meran mit besuchenswerter Bar/Cafe/Restaurant

 

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Algund (km 33,0; 324 m.ü.A.), Bahnhofsbuffet

 

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Marling (km 35,0; 369 m.ü.A.)

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Töll Brücke (km 41,4; 509 m.ü.A. > Personenhalt bis Dezember 2012)

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Töll (km 41,9; 509 m.ü.A. > Personenhalt ab Dezember 2012 beim alten Bahnhof)

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Ab Dezember 2012 wieder aktiv - Bahnhof Töll (29.9.2011)

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Rabland (km 43,1)

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Plaus (45,5)

 

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Station Plaus, Beispiel für eine modern gestaltete Haltestelle ohne altem Aufnahmsgebäude

 

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Naturns (km 48,7; 533 m.ü.A.)

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Schnalstal (km 51,3; 553 m.ü.A. Bahnhof nicht bedient > Staben)

 

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Staben (km 51,8; 553 m.ü.A.)

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Tschars (km 54,0)

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Kastelbell (km 57,6; 586 m.ü.A.)

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Prächtig in der Südtiroler Landschaft liegt die Burg Kastelbell

 

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Latsch (km 60,7; 632 m.ü.A.), Bahnhofsbuffet

 

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Goldrain (km 63,8; 661 m.ü.A.)

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Schlanders (69,3; 744 m.ü.A.), Bahnhofsbuffet

 

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Historischer Bahnhof Schlanders mit gut frequentierter Bar/Café

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Laas (km 76,4; 866 m.ü.A. > Laaser Marmorbahn - sehr sehenswert!)

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Eyrs (km 80,5; 875 m.ü.A.)

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Spondinig (km 83,3; 885 m.ü.A.), Bahnhofsbuffet

 

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Schluderns (km 87,6; 919 m.ü.A.)

 

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Mals (Malles Venosta) (km 91,4; 997 m.ü.A.) Bahnhofsbuffet, Waschanlage für Triebwagen

 

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Triebwagen beim Umsetzen im Bahnhof Mals (23.9.2013)

 

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Mals Streckenende (km 91,6; 997 m.ü.A. > historischer "Wendestern") > Weiterführung nach Österreich (Reschenscheideckbahn nach Landeck an der Arlbergbahn) sowie in die Schweiz (Ofenbergbahn) nicht realisiert, Verbindung in die Schweiz aber angedacht.

DEEF / Dr. Michael Populorum - Die Vinschgerbahn Meran nach Mals als Musterbeispiel für eine erfolgreiche RegionalbahnDEEF / Dr. Michael Populorum - Die Vinschgerbahn Meran nach Mals als Musterbeispiel für eine erfolgreiche Regionalbahn

Gut besucht: Bar/Cafe/Restaurant im Bahnhof Mals - so soll es sein, Bahnhöfe sollen Zentren der Begnung und des Lebens sein und keine "Unorte" die man möglichst fluchtartig verlassen möchte wie man das in Österreich aktuell praktiziert

Die Bahnhöfe sind sehr gut in das regionale und lokale Bussystem (Citybusse) integriert, was speziell bei den ausserhalb der Ortszentren gelegenen Stationen von großer Wichtigkeit für die Akzeptanz der Bahn ist.

Kunstbauten: Die Geomorphologie der Relation Meran - Mals ist gekennzeichnet durch einen Wechsel von Ebene und Steilstufen, die sich dem Verkehrswege als Barriere entgegenstellen. Die größte Herausforderung beim Bau war die Überwindung von 3 Steilstufen - immerhin gilt es von Meran nach Mals auf 60 km 700 Höhenmeter zu bewältigen. Die 4. Steilstufe - von Mals zum Reschenpaß und dann hinab nach Landeck - als größte Herausforderung wäre sicher verwirklicht worden wäre der Krieg nicht dazwischengekommen, aber das wäre mit Abstand die größte Herausforderung gewesen und wirkte so abschreckend auf die Politiker, Financiers und Ingenieure nach dem Krieg.

Die größte Herausforderung auf der verwirklichten Strecke war der erste Abschnitt, wo es galt, von Meran über Marling hinauf auf die Töll, dem eigentlichen Beginn des Vinschgaus, zu gelangen. Man merkt bei einer Fahrt heute wie verwunden und schwierig sich die Streckenführung zeigt.  Um den großen Höhenunterschied bis zur Töll zu überwinden, wurde eine große Kehrschleife über Marling notwendig. Wie beim Bau der Brennerbahn (Tunnel von St. Jodok bzw. Tunnel von Ast) wurde auch bei der Vinschgerbahn auf das Instrument des Kehrtunnels zurückgegriffen um Höhe zu gewinnen.

Die Tunnel (Längenangaben nach Wikipedia):

Kehrtunnel Marling / Galleria elicoidale Marlengo (598 m)
Josefsbergtunnel /
Galleria Monte Giuseppe (579 m)
Galerie /
Paravalanga (80 m)
Töll-Tunnel /
Galleria Tel (684 m)

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ATR 100 002 schießt aus dem Tölltunnel heraus auf der Fahrt nach Meran, darüber der herrliche Marlinger Waalweg

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Josefsberg Tunnel und Viadukt, Portal Töll

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Am Portal Josefsbergtunnel stehend Ri künstlicher Galerie

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Marlinger Kehrtunnel, Portal Marling

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Marlinger Kehrtunnel, Portal Töll, Triebwagen Richtung Mals (24.9.2013)

Hinsichtlich der Streckenbeschreibung liest man bei Victor von Röll folgendes:

Vintschgaubahn, Teilstrecke Meran-Mals, 1898 als staatlich garantierte normalspurige österreichische Privatlokalbahn konzessioniert, im Juli 1906 eröffnet und gleichzeitig mit der Lokalbahn Bozen-Meran von den österreichischen Staatsbahnen in Betrieb genommen. Die Bahn Meran-Mals ist 60∙4 km lang, der überwundene Höhenunterschied beträgt 726 m. Die Bahn Meran-Mals ist infolge des Friedensvertrags in den Besitz des italienischen Staates übergegangen. Die Fortsetzung Mals-Landeck bildet seit Jahren den Gegenstand von Studien und Vorschlägen und wurde auch in das für den Ausbau des Südtiroler Eisenbahnnetzes 1920 aufgestellte Bauprogramm die Fortsetzung der Bahnlinie Meran-Mals gegen Reschenscheideck aufgenommen.

Von Meran zieht die Trasse über Algund, wo die Etsch übersetzt wird, und steigt in einer Kehre nach Süden zur Station Marling, durchfährt 2 Tunnel von je 600 m Länge (der erste ist ein Kehrtunnel). Durch den 683 m langen Tölltunnel gelangt sie zur Station Töll, wo die Bahn auf der Talstufe 508 m oberhalb Merans am Beginn des Vintschgaus angelangt ist und die Etsch 190 m tief in den Meraner Kessel abfällt. Über Naturns und Schnalstal (562 m ü.M.) zieht die Bahn auf dem Damm der regulierten Etsch über Castellbell nach Latsch, von wo sie in einer großen Schleife Schlunders (706 m), den Hauptort des Vintschgau erreicht. Auf hohem Damm mittels einer 227 m langen Brücke die Etsch übersetzend, führt die Bahn nach Laas, dann Spondinig-Prad, wo die Straße nach dem Stilfserjoch und nach Sulden abzweigt. Schlanders-Glurns ist schon 919 m ü.M. gelegen. Zwischen dieser Station und dem Endpunkte Mals schneidet die Bahn die Lehne des Tartscherbühels und an dem Dorfe Tartsch vorbei wird die vorläufige Endstation Mals erreicht (1045 m ü.M.).
Röll, Victor, Freiherr von: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 10. Berlin, Wien 1923, S. 203

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Schienen-Walzzeichen im Malser Wendestern - "Graz 1890"

Aktuelles: Wenngleich die Reschenscheideckbahn zaghaft im kleinen Kreis als Alternative zum Brennerbasistunnel diskutiert wurde (und wird), so scheint diesbezüglich zumindest aktuell "der Ofen aus" zu sein. Apropos Ofen: Die sogenannte Ofenbergbahn wird neuerdings ab 2005 mit einer Linienführung vom Unterengadin nach Mals vor allem seitens der Schweizer Eidgenossen aber auch der Südtiroler Experten ernsthaft diskutiert. Aktuell hat man nahezu stündlich mit dem Schweizer Postbus Anschluß von Mals über den Ofenpaß nach Zernez und dort Anschluß an das Netz der Rhätischen Bahn.

Die Fahrzeit von Zürich über den Ofenpaß nach Meran beträgt aktuell ca. 5,5 Stunden und ist damit ca. 1 Stunde kürzer als über Arlberg und Brenner (beschleunigt durch die Inbetriebnahme des 20 km langen Vereinatunnels). Eine Bahnverbindung von Mals nach Zernez (Ofenbergbahn) liesse die Schweiz und Südtirol noch enger zusammenwachsen, nein, nicht nur die Schweiz und Südtirol sondern die Schweiz und den gesamten norditalienischen Raum.

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Das Schweizer Postauto - nach wie vor im typischen postgelb (und nicht wie in Österreich in -zig Farbgebungen) - verbindet als "SEV" stündlich über das Münstertal (Weltkulturerbe Müstair) und den Ofenpaß die Touristenzentren Südtirols mit denen der Schweiz im Engerdin. Die örtlichen Postkästen werden durch den Fahrer zusätzlich entleert (wie in alten Zeiten - aber erfolgreich!)

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Bahnhof Zernez (2011 gerade im Umbau) als Schnittstelle zum Schweizerischen Eisenbahnnetz (links Zug der Rhäitischen Bahn im Bahnhof Zernez am 29.9.2011 mit Lok 623 nach Scuol Tarasp)

Die Vinscherbahn ist aktuell an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt, tw. kann es vorkommen, das Radfahrer an den Unterwegsbahnhöfen wegen Überbelegung nicht mehr aufgenommen werden können. Eine Erhöhung der Taktfrequenz wird durch die Eingleisigkeit der Strecke gebremst, zusätzlich angehängte Triebwägen durch die Länge der Bahnsteigkanten.

Literatur, Weblinks:

Amhof, Peter, 2011: Trassenstudie zur Verlängerung der Vinschger Bahn von Mals nach Pfunds. Diplomarbeit an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Bauer, Stephan, 1997: Betriebsstudie Bahnlinie Meran – Mals. Diplomarbeit Uni Ibk.

Baumgartner, Elisabeth, 1990: Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol. Verkehrsgeschichte zwischen Kufstein und Ala im Spannungsfeld von Tourismus, Politik und Kultur. Innsbruck

Christomannos, Theodor, 1906: Die Vintschgauer Bahn Meran – Mals. Innsbruck

Eisenbahnarchiv Tirol (Hrsg.), 2005: …Zukunft bewegt! Die Vinschgerbahn Meran – Mals. Eisenbahntechnische Sonderpublikationen Band 3.

Feierabend, Monika Maria, 2004: Die Vinschgaubahn – Einzug einer neuen Zeit! Ein Teil der Bahngeschichte Tirols von Anfängen bis zur Gegenwart. Diplomarbeit Uni Ibk.

Gomperz, Rudolf, Ing., 1911: Die Bahn von Landeck nach Mals. Landeck

Guyer-Zeller, Adolf, 1898: Die Engadin-Orientbahn. Zürich

Hempel, Andreas Gottlieb, 2006: Vinschgau in einem Zug. Mit der Bahn durch westliche Südtirol. Wandern, Rad fahren, Kultur erleben. Wien/Bozen

Hipold, Peter, 2006: Die Reaktivierung der Vinschgerbahn. Eine verkehrsgeographische Analyse der 2005 wieder in Betrieb genommenen Nebenbahn Meran – Mals. Diplomarbeit an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Hilpold, Peter, 2009: Die Verkehrspolitik in Südtirol. Paradigmenwechsel aufgrund der erfolgreichen Reaktivierung der Vinschgerbahn? Diplomarbeit Universität Innsbruck

Kreuter, Franz, 1891: Technischer Bericht einer Eisenbahn von Meran nach Landeck. München

Marseiler, Sebastian, 2006: 100 Jahre Vinschgerbahn 1906 – 2006. Bozen

Müller, Carmen, 2001: Auf dem Spuren einer stillgelegten Bahnstrecke. Meran-Mals Vinschgau

Prader, Michael, 2011: Untersuchung der Trassierung in den Tunneln der Vinschger Bahn zum Ein-bau einer Oberleitung. Diplomarbeit an der Leopold-Franzens-Universität Ibk.

Qnex OHG (Hrsg.), 2011: Volkswirtschaftliche Bewertung einer Bahnverbindung Engadin-Vinschgau. Bozen

Populorum, Michael Alexander, 2014: Die Bozen-Meraner-Bahn. Durch Wein- und Obstkulturen von Bozen über Sigmundskron und Terlan nach Meran. Schriftenreihe des Dokumentationszentrums für Europäische Eisenbahnforschung (DEEF), Band 19. Mercurius Verlag Grödig/Salzburg. Railway Research Austria

Populorum, Michael Alexander, 2014: Die Vinschgaubahn, Mit der Eisenbahn von Meran durch den Vinschgau zur Malser Heide. Schriftenreihe des Dokumentationszentrums für Europäische Eisenbahnforschung (DEEF), Band 20. Mercurius Verlag Grödig/Salzburg. Railway Research Austria

Rabl, Josef, 1910: Illustrierter Führer auf den neuen Bahnen in Südtirol (Vintschgaubahn, Rittner Bahn, Mendel-Dermulo, Trient-Malé) sowie auf den Linien Bozen-Ala und Bozen-Mendel, Mori-Arco-Riva und auf dem Gardasee. Hartlebens Illustrierter Führer Nr. 62

Riehl, Josef, 1903: Vinschgauer und Fernbahn. Innsbruck

Rosenberger, Hans Jürgen, Rosenberger, Carlo, 1993: Die Eisenbahnen in Südtirol. Bozen

Rothkegel, Joachim, 1976: Die Reschenscheideck-Bahn und ihre geplanten Anschlußprojekte nach Norden und Süden. Augsburg

Rothkegel, Joachim, 1984: Das Fern-Ortlerbahnprojekt des Ingenieurs Karl Gollwitzer, Augsburg, aus dem Jahre 1905. In: Der Schlern, 58/1984, Heft 1

Thurner, Helmut, 1938: Das Fern-Ortlerbahn-Projekt, ein neues Bindeglied zwischen Deutschland und Italien. München

Thurner, Helmut, 1939: Die Fernbahn im grossdeutschen Raum

Verein Freunde der Eisenbahn Südtirol www.eisenbahn.it

Virtuelles Technikmuseum Südtirol Tecneum: www.tecneum.eu (u.a. Beschreibung der Südtiroler Bahnhöfe)

www.vinschger.com/vinschgerzug.htm

Südtirol Bahn (inkl. Fahrplänen, Urlaubstips etc.) http://www.vinschgerbahn.it/

DEEF Beitrag "Die Reschenscheideck-Bahn von Landeck nach Mals im Vinschgau" >>>

DEE Beitrag "Die Bozen-Meraner-Bahn" >>>

DEEF Print Band 20 Die Vinschgaubahn >>>

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      DEEF / Dr. Michael Populorum - Die Vinschgerbahn Meran nach Mals als Musterbeispiel für eine erfolgreiche Regionalbahn DEEF / Dr. Michael Populorum - Die Vinschgerbahn Meran nach Mals als Musterbeispiel für eine erfolgreiche Regionalbahn    

Ein Relikt vergangener Dampflokzeiten - der Wendestern von Mals (mit Wassertumr) zum Wenden von Schlepptenderdampflokomotiven; rechts das Gleis sollte einst nach Österreich (Landeck an der Arlbergbahn) weiterführen und einen 2. Alpenübergang in Ergänzung zum Brenner herstellen -
dann kam Sarajevo und alles wurde anders..

 

Relikt der nicht vollendeten Reschenscheideckbahn - Tunnelportal in Landeck

Alle Fotos Dr. Michael Populorum / Archiv DEEF

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur DEEF;  Erstmals Online publiziert: 19. September 2010; Ergänzungen: 22.1.2015

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Last modified  Sonntag, 24. Mai 2015 22:13:38 +0200
Autor/F.d.I.v.: Kons. Univ. Lekt. Dr. Michael Alexander Populorum DEEF # Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung # Railway Research Austria 2009-2020 

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