DEFF Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung Dr. Michael Populorum AustriaEisenbahnforschung # Eisenbahn-Archäologie # Eisenbahn-Geographie # Eisenbahn-Geschichte

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Die Traunseebahn Gmunden - Vorchdorf-Eggenberg

Nostalgietriebwagen 20.103, Baujahr 1921, Graz,  in der Hauptwerkstadt Vorchdorf-Eggenberg. Traunseebahn von Gmunden nach Vorchdorf-Eggenberg. Dr. Michael Populorum / DEEFDie Traunseebahn bzw. - vor allem im historischen Kontext - als Lokalbahn Gmunden - Vorchdorf bezeichnet, ist eine schmalspurige Nebenbahnstrecke, die von der Bezirkshauptstadt Gmunden am Traunsee nach Vorchdorf führt. Sie hat eine Länge von 15 Kilometer, ist eingleisig und seit Betriebsbeginn im Jahre 1912 mit 750 Volt Gleichspannung elektrifiziert.

Sie hat eine Spurweite von 1000 mm (Meterspur), was nicht weiter verwunderlich ist, war sie doch als Verlängerung der meterspurigen, 1894 eröffneten Gmundner Strassenbahn Richtung Vorchdorf angedacht. Allerdings klafft bis heute ein Lückenschluss zwischen der Gmundner Strassenbahn und der Traunseebahn - viele Worte wurden "produziert", Taten lassen nach wie vor auf sich warten.

Die Errichtung der Traunseebahn selbst ist in unmittelbarem Zusammenhang mit der Errichtung der 1903 eröffneten Vorchdorferbahn (Lokalbahn Lambach - Vorchdorf-Eggenberg) zu sehen - schon zur Jahrhundertwende hatten die Gmundner aus kommerziellen Überlegungen heraus die Intention, eine Bahnverbindung in Richtung Vorchdorf und weiter ins Almtal zu errichten. Der Bau der Vorchdorferbahn war also der zündende Funke, dass auch die Gmundner beim Bahnbau in Richtung Vorchdorf aktiv wurden - Bahnanschluss hatte Gmunden ja bereits über die Salzkammergutbahn (vormals Kronprinz Rudolf Bahn) seit 1877 sowie als Endpunkt der Pferdeeisenbahn Budweis - Linz - Gmunden bereits seit 1836.

Bis 1990 endete die Strecke in Gmunden im Bahnhof Traundorf, seither im von der ÖBB nicht mehr benötigten Gmundner Seebahnhof. Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude des Seebahnhofs wurde im Jahr 2010 in Hinblick auf ein projektiertes Hotelprojekt ("Lacus Felix") abgerissen, wobei die Vorgehensweise in diesem Kontext nicht ganz "koscher" erscheint.

Die Stationen der Traunseebahn (Streckenkilometer ab Vorchdorf-Eggenberg):

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Vorchdorf-Eggenberg (0,0)

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Weidach (1,4)

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Falkenohren (1,9)

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Kirchham (3,4)

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Kirchham Ort (3.9)

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Laizing (4,8)

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Eisengattern (6,4)

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Karl z´Neuhub (7,7)

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Neuhub (8,8)

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Gschwandt Schule (9,8)

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Gschwandt-Rabersberg (10,3)

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Unterm Wald (10,9)

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Baumgarten-Waldbach (11,7)

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Engelhof Lokalbahn (12,8)

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Lembergweg (13,4)

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Gmunden Traundorf (neue Haltestelle seit 1990, 14,5)

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Gmunden Seebahnhof (15,0)

 

Traunseebahn von Gmunden nach Vorchdorf-Eggenberg. Dr. Michael Populorum / DEEF

Traunseebahn von Gmunden nach Vorchdorf-Eggenberg. Dr. Michael Populorum / DEEF

Bahnhofsgebäude Vorchdorf-Eggenberg. Während das Gebäude der Vorchdorferbahn noch in eisenbahntechnischer Nutzung ist, dient das Gebäude der Traunseebahn hauptsächlich als Wohnhaus

Liebliche hügelige Landschaft nahe Eisengatter

Werktags verkehren 20 Züge, wobei der erste Zug Vorchdorf-Eggenberg um 5.28 verlässt (einer der beiden REX als Tagesrandverbindung), der letzte doch sehr früh, nämlich um 18.30. Die Züge haben Anschluss von/zur Vorchdorferbahn in/aus Richtung Lambach (Anschluss Westbahn). Die Fahrzeit für die 15 km beträgt zwischen 25 und 34 Minuten. Die Strecke befindet sich zu 100% im Besitz von Stern & Hafferl, welcher auch die Betriebsführung obliegt. Höchstgeschwindigkeit ist 50 km/h.

Im Bahnhof Vorchdorf-Eggenberg befindet sich die Hauptwerkstätte von Stern & Hafferl, wobei der westliche Teil mit 2 meterspurigen Gleisen belegt ist, wobei eines dieser Gleise als Dreischienengleis ausgeführt ist.

Traunseebahn von Gmunden nach Vorchdorf-Eggenberg. Dr. Michael Populorum / DEEF

Traunseebahn von Gmunden nach Vorchdorf-Eggenberg. Dr. Michael Populorum / DEEF

Im Inneren des wirklich bequemen ET 23.112. Man sitzt gut und die Fenster sind bis nach unten zu öffnen

Haltestellenunterstand Gschwandt-Rabensberg

Die Fahrt durch das hügelige Voralpenland vermittelt durch die "mäandrierende Linienführung" richtiges Nebenbahnflair und ist sommers wie winters immer ein Vergnügen. In Eisengattern, wo sich auch ein Unterwerk zum Einspeisen der 750 Volt Gleichspannung befindet, erfolgen meistens die Zugkreuzungen. Auch Gschwandt-Rabersberg verfügt über eine Ausweiche.  Im Bahnhof Engelhof, einem unter Denkmalschutz stehenden Jugendstilbau, der allerdins seit geraumer Zeit unbewohnt ist und schon bessere Zeiten erlebt hat, münden die normalspurigen Gleise der nichtelektrifizierten Trauntalbahn der ÖBB aus Laakirchen kommend ein.

Von Engelhof bis Gmunden gab es früher bis 1960 ein 4-Schienen-Gleis, danach ein 3-Schienen-Gleis für die Züge der ÖBB (Dieseltraktion) bis Gmunden Seebahnhof und für die Traunseebahn (elektrifiziert 750 V) Richtung Gmunden Traundorf (von den Einheimischen auch als "Vorchdorfer Bahnhof" bezeichnet; diese bezeichneten umgangssprachlich die Traunseebahn auch als Vorchdorferbahn, da diese ja nach Vorchdorf führt).

Traunseebahn von Gmunden nach Vorchdorf-Eggenberg. Dr. Michael Populorum / DEEF

Traunseebahn von Gmunden nach Vorchdorf-Eggenberg. Dr. Michael Populorum / DEEF

Der alte denkmalgeschützte Bahnhof Engelhof, der älteste Bahnhof Österreichs und auch der älteste noch in Betrieb befindliche Bahnhof Kontinentaleuropas. Erbaut 1834 für die Pferdeeisenbahn Das 3-Schienen-Gleis liegt noch partiell 2010, soll aber nach und nach entfernt werden. Links im HG erkennt man die HS Lembergweg

Nachdem die ÖBB den Personenverkehr nach Gmunden Seebahnhof 1989 einstellten, nutzte Stern & Hafferl die Gunst der Stunde und verlegte ein 3. Gleis Richtung Seebahnhof, der seit 1990 den Endpunkt der Traunseebahn darstellt. Der Bahnhof Gmunden Traundorf, ein netter Pavillion, wurde danach abgerissen und die Umgebung bzw. die Trasse (ident mit der Pferdeeisenbahntrasse) mit Einfamilienhäusern besiedelt. 

Aktuell 2010: Der Seebahnhof wurde nach dem Verkauf von Stern & Hafferl an die Stadt Gmunden von dieser trotz Unterdenkmalstellung niedergerissen und das 3. Gleis wird etappenweise entfernt, da die ÖBB den Betrieb von Engelhof bis Gmunden gänzlich aufgegeben haben. Von Engelhof bis kurz vor dem Seebahnhof ist das Trasse der Traunseebahn nahezu ident mit jenem der Pferdeeisenbahn. In diesem Bereich gilt es auch, einen glazialen Moränenwall zu überwinden (ca. 34 Promille).

Traunseebahn von Gmunden nach Vorchdorf-Eggenberg. Dr. Michael Populorum / DEEF

Traunseebahn von Gmunden nach Vorchdorf-Eggenberg. Dr. Michael Populorum / DEEF
ET 23.112 im September 2007 in Gmunden Seebahnhof. ET 23.111 an gleicher Stelle im Oktober 2010 - da blutet wahrlich das Herz jedes kultivierten Menschen. Die Stadt Gmunden hat das ehem. denkmalgeschützte Gebäude abgerissen, ein niveauloser Betonunterstand ist anstelle des lieblichen Bahnhofes getreten. Welch eine Schande!

Bei meinen 2 Fahrten im Jahr 2010 (früher Nachmittag) war neben meiner Person jeweils nur eine weitere im Triebwagen Richtung Gmunden anzutreffen, was aber nicht heisst, dass die Züge nur leer durch die Gegend kurven. In Gmunden angekommen stieg eine ganze Gruppe von Schülern ein - sie sind neben den Pendlern das Hauptclientel der Bahn. Daneben werden noch "Eventfahrten" angeboten, nämlich der "Bratlzug" und "Mit der Bahn zum Bier", sowie die Möglichkeit geboten, einen Hobby-Lokführerschein zu erwerben. Wichtig wäre natürlich eine weitere Attraktivierung des Angebotes vor allem durch einen Ausbau der Infrastruktur bei begleitenden "Motivationsmassnahmen" bei den potentiellen Kunden, um ihnen den Umstieg vom Auto auf die Schiene nach schweizer Vorbild schmackhaft zu machen.

Traunseebahn von Gmunden nach Vorchdorf-Eggenberg. Dr. Michael Populorum / DEEF

Traunseebahn von Gmunden nach Vorchdorf-Eggenberg. Dr. Michael Populorum / DEEF

ET 23.106 (Bj 1954) nimmt die Steigung von Gmunden Seebahnhof / HSt Gmunden Traundorf kommend in Angriff. Rechts zweigte die ursprüngliche Strecke zum alten Endbahnhof Traundorf ab

ET 23.111 (Baujahr 1954) im Dezember 2010 an der Endhaltestelle Gmunden "Seebahnhof"

        Traunseebahn von Gmunden nach Vorchdorf-Eggenberg. Dr. Michael Populorum / DEEF            

In Planung: Gmunden, Stadt der Schwäne und der Bahnhöfe

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur DEEF;  Erstmals online publiziert: 13. Dezember 2010; Änderungen: -

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Last modified  Sonntag, 24. Mai 2015 22:13:39 +0200
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