DEFF Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung Dr. Michael Populorum AustriaEisenbahnforschung # Eisenbahn-Archäologie # Eisenbahn-Geographie # Eisenbahn-Geschichte

DEEF Dr. Michael Populorum Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung

>Startseite DEEF<

Die Pinzgauer Lokalbahn / Pinzgabahn / Krimmler Bahn von Zell am See über Mittersill nach Krimml

Anfang 2008 - 5090 der ÖBB im Bahnhof Zell am See. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF

Die Pinzgauer Lokalbahn ist eine 53 km lange eingleisige Schmalspurbahn (Bosnische Spurweite 760mm), die vom Hauptort des Pinzgauer Zentralraums Zell am See entlang des Flusses Salzach stromaufwärts nach Krimml führt. Im Bahnhof Zell am See besteht ein direkter Übergang zur Salzburg-Tiroler-Bahn (Giselabahn / Westbahn), welche bis 1875 von der k.k. priv. Kaiserin Elisabethbahn-Gesellschaft errichtet wurde. Der Gedanke, Salzburg mit Tirol per Eisenbahn zu verbinden, führte 1864 zur Projektierung einer normalspurigen Bahnlinie Salzburg - Bischofshofen - Zell am See - Oberpinzgau - Zell am Ziller - Zillertal - Inntal.

Umgesetzt wurde dann allerdings die Streckenführung über Saalfelden - Hochfilzen - Kitzbühel - Wörgl nach Innsbruck. Um den Oberpinzgau an das Eisenbahnnetz anzubinden, wurde 1896 mit dem Bau einer Schmalspurbahn nach Krimml begonnen, wobei aus Kostengründen der Endpunkt nicht ins Ortszentrum bzw. an die Wasserfälle gelegt wurde, sondern die Strecke endet (bis heute) vor der Steilstufe in Vorderkrimml, Gemeinde Wald im Pinzgau.

Die neuen Wendezüge des neuen Betreibers 2010. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF

Die Eröffnung der "Pinzgauer Localbahn" erfolgte am 2. Januar 1898, für den Betrieb zeichnete anfangs die 1896 gegründete "Pinzgauer Localbahngesellschaft" verantwortlich. Bereits 1906 wurde die Bahn verstaatlicht, wobei damals ein Faktor mitentscheidend war, der die Pinzgabahn in ihrer gesamten Vita begleiten sollte - die Hochwasserschäden, bedingt durch tw. flussnahe Anlage der Trasse. Immer wieder kam es zu teilweise massiven Zerstörungen der Trasse, besonders hart traf es die Bahn in den Jahren 1975 und 1987. Glücklicherweise ereilte die Pinzgabahn damals nicht das Schicksal vieler Nebenbahnen, wo solche Elementarereignisse als willkommener Anlass genommen wurden, um die Strecken zu liquidieren.

Knüppeldick kam es dann für die Pinzgabahn im Juli 2005, wo die Bahntrasse durch Hochwasser massiv zerstört wurde und anfangs nur bis Piesendorf gefahren werden konnte, ab Herbst dann wieder bis Mittersill. Doch die restliche Strecke blieb vorerst im zerstörten Zustand, die Einstellungsgerüchte wurden immer lauter. Doch "Totgesagte leben länger" und die Strecke wurde mit teilweiser Neutrassierung in mehreren Etappen wieder hergerichtet - zum Fahrplanwechsel im Dezember 2009 bis Bramberg und ab dem 12. September 2010 bis Krimml. Seit dem 1. Juli 2008 ist auch die Ära Staatseisenbahn / ÖBB Geschichte - Eigentümer ist nunmehr das Land Salzburg, die Betriebsführung erfolgt durch die landeseigene Salzburg AG mit dem Branding "SLB Pinzgauer Lokalbahn".

Der Radlerzug fährt in den Bahnhof Zell am See ein. Links die Gleise der "Westbahn" nach Salzburg. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF                      Links eine Ex 2095, rechts Wendezug mit Steuerwagen im Bhf. Zell am See. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF

Das touristische Potenzial ist gross im Pinzgau - Das Kitzsteinhorn im Hintergrund der saftigen Maiwiesen. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF

Seither wird - zu Recht - die Pinzgauer Lokalbahn als Musterbeispiel für eine erfolgreiche Betriebsführung von Nebenbahnen angeführt und der Ruf wurde und wird lauter, Bahnen wie bspw. die Ybbstalbahn, Mariazellerbahn oder Wachauerbahn nach dem Muster der Pinzgauer Lokalbahn in eine prosperierende Zukunft zu führen - ob der Ruf gehört und beherzigt wird, steht derzeit in den Sternen. Für die Pinzgaubahn selbst können als Vorbilder (nebst Schweizer Bahnen natürlich) die Vinschgaubahn sowie die benachbarte Zillertalbahn genannt werden, die mustergültig vorexerzieren, wie durch Kundenorientierung bestehende Passagiere gehalten und neue Passagiere hinzugewonnen werden können.

Das Credo muss lauten: "Was muss ich tun, damit ich noch mehr Personen (=potentielle Kunden) motiviere, mit der Pinzgabahn zu fahren" - oder: "Welche Massnahmen muss ich setzen, um das vorhandene Potential möglichst auszuschöpfen"? Das "Zugehen" auf die Kunden ist das Wesentliche! Das Motto der Staatseisenbahn schien zu sein: "Wir fahren, und wenn wer mitfährt dann ist es ok, und wenn nicht, dann reduzieren wir einfach das Angebot - im extremsten Fall auf Null". Unter Duldung der Politik natürlich.

Erste erfolgbringende Massnahmen wurden bereits vom neuen Betreiber gesetzt - so erhöhte sich die Anzahl der (zahlenden) Passagiere um ein Viertel innert eines Jahres durch die Wiedereinführung von ZugbegleiterInnen, die - so konnte Chefredakteur Dr. Populorum beobachten - ihre Tätigkeit nicht nur im Zwicken von Fahrkarten verstehen, sondern umfassend als "ReisebegleiterInnen/Hostessen" ihren Dienst versehen. Neben einer Taktverdichtung im Nahbereich von Zell am See ist ein weiterer Erfolgsbaustein das Anbieten und Bewerben der Pinzgabahn als touristisches Element (Radfahrer, Nostalgie-Dampfzüge).

Modernes Innenleben der neuen Wendezüge. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF

Nachdem bis Krimml seit 12.9.10 die Züge wieder im Stundentakt verkehren, wird auch konkreter über eine Verlängerung bis zu den Wasserfällen nachgedacht - zumindest eine Machbarkeitsstudie ist noch für 2010 angedacht. Dringend in Angriff genommen werden sollten auch Streckenbegradigungen - als ich an einem Sonntag nach Bramberg und wieder zurück fuhr, da genoss ich die Fahrt und es war mir - quasi als Tourist - völlig gleich, dass die Bahn einen "Mäander" nach dem anderen zog und auf die Uhr blickte ich auch nicht. Allerdings wenn ich als Pendler oder Schüler damit jeden Tag fahren müsste, dann würde ich das schon deutlich kritischer sehen - dann zählt fast jede Minute! Also: Streckenbegradigungen sind dringend notwendig, das kann ja auch einen win-win-Situation für Grundstückseigentümer sein, wenn dadurch event. (landwirtschaftlich genutzte) Flächen zusammengelegt werden können. Weiters ist eine adäquate Information an den Haltestellen über Abfahrtszeiten wünschenswert - im Zillertal gibt es auf jedem noch so kleinen Bedarfshalt eine digitale Anzeige über die nächsten Verbindungsmöglichkeiten.

Ich darf im Namen meiner zahlreichen Leser der Pinzgauer Lokalbahn alles Gute für die nächsten Betriebsjahre wünschen. Nachfolgend einige Fotos als Illustration, die ich bei einer Fahrt im Mai 2010 nach Bramberg sowie einige Tage vor der Wiedereröffnung bis Krimml im Rahmen einer Visite der Abschlussarbeiten gemacht habe.

Die Salzach flussaufwärts. Heute ist sie friedlich, aber sie kann auch anders...Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF   Zugkreuzung im Bahnhof Niedernsill. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF

Gleismaschine im Bahnhof Mittersill. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF  Neues Trassee entlang der Salzach. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF

Zugkreuzung. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF  Wendezug im Bahnhof Bramberg - hier war 2009 Endstation. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF

Zell am See Tischlerhäusl, Remisen und Werkstätten der Bahn. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF  Tourismus als wichtiger Faktor. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF

Der im alten Stil neu errichtete Bahnhof Krimml wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung September 2010. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF  Die letzten Arbeiten werden getan im Bahnhof Krimml. Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF

  Derzeitiges Streckenende in Krimml - Wann geht es weiter Richtung Krimmler Wasserfälle oder gar noch weiter ins Zillertal??!?? Pinzgauer Lokalbahn Zell am See - Krimml. Bericht und Fotos von Dr. Michael Populorum, Chefred. DEEF  

         >> DEEF bleibt am Ball / an der Schiene und berichtet weiter...

Sollten Sie Anregungen zu den Projekten haben oder eigene Beiträge oder Fotos präsentieren wollen, so freuen wir uns auf eine Kontaktaufnahme. Haben Sie einen Fehler entdeckt? Bitte um Info >

 redaktion@dokumentationszentrum-eisenbahnforschung.org

Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur DEEF;  Erstmals online publiziert: 18. September 2010; Änderungen: -

DEFF Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung Dr. Michael Populorum AustriaEisenbahnforschung # Eisenbahn-Archäologie # Eisenbahn-Geographie # Eisenbahn-Geschichte

DEEF Dr. Michael Populorum Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung

Last modified  Sonntag, 24. Mai 2015 22:13:38 +0200
Autor/F.d.I.v.: Kons. Univ. Lekt. Dr. Michael Alexander Populorum DEEF # Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung # Railway Research Austria 2009-2020 

 Impressum/Copyright        Unterstützung & Sponsoring