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Hauptbahn als Nebenbahn - die Innviertelbahn von Neumarkt-Kallham nach Braunau am Inn / Simbach - Teil 1: Bis zum Rieder Stern nach Ried im Innkreis

Innviertelbahn Neumarkt-Kallham - Ried im Innkreis - Braunau am Inn. DEEF / Dr. Michael Populorum, DEEF 2011Prolog: Alle Wege führen nach Ried - noch hat diese Aussage im Streckennetz des Inn- und Hausruckviertels Gültigkeit, der "Rieder Stern" voll in Funktion. Doch schon mehren sich die Gerüchte, daß die desaströse österreichische Verkehrspolitik auch im Inn- und Hausruckviertel statt einem Ausbau des umweltfreundlichen Schienenverkehrs schon einem mittelalterlichen Henker gleich die Axt zum vernichtenden Amputationsschlag ausholt.

Die Innviertelbahn (Innviertlerbahn) zweigt knapp 2 km nach dem Bahnhof Neumarkt-Kallham (29,7 km von Wels) der 1861 eröffneten Passauerbahn von dieser bei Blockstelle Neumarkt-Kallham West bei Streckenkilometer 31,6  (von Wels) ab und erreicht nach 21,6 Kilometern auf Normalspurgleisen die Bezirks-, Einkaufs- und Schulstadt Ried im Innkreis. Von Ried fahren die meisten Zügen weiter nach Braunau  sowie tw. über die Staatsgrenze (Grenzfluß Inn) ins Bayrische nach Simbach, wo Anschluß an die Züge Richtung Mühldorf - München besteht.

Die Gesamtlänge der Innviertelbahn von Neumarkt-Kallham nach Braunau am Inn beträgt 58,4 km, bis zum Grenzbahnhof Simbach (in Bayern jenseits des Inns gelegen) sind es 60,5 km.

Ein kurzer Steckbrief der Innviertelbahn Neumarkt-Kallham - Braunau am Inn

Geschichte / Betreiber: 1861 bekam die Bezirkshauptstadt Schärding (damals noch Scheerding genannt) ihren Bahnanschluß mit der Inbetriebnahme der Passauer Bahn. Für die Bezirkshauptstadt Ried im Innkreis reichte es damals nur für einen 20 km vom Zentrum entfernten Bahnhof an der Passauerbahn, nämlich Riedau-Ried, zu dem täglich 2 Stellwagenfahrten eingerichtet wurden. Braunau blieb vorerst überhaupt ohne Anschluß an das expandierende Schienennetz der Monarchie. Räumlich und geschichtlich bedingt war das Innviertel nach Bayern und der Residenzstadt München orientiert und so kristallisierte sich auf Wunsch und Drängen der Rieder eine Linienführung Neumark (später Neumarkt-Kallham) - Ried - Altham nach Braunau heraus.

1865: Bau- und Betriebskonzession für eine "Neumarkt - Ried - Braunauer Bahn"

1868: Sicherstellung der Finanzierung und Gründung der "k.k. priv. Aktiengesellschaft der Neumarkt - Ried - Braunauer Bahn" mit Sitz in Ried

1869: Beginn der Bauarbeiten

1870: Die vorhin genannte Gesellschaft wird durch Kauf durch die "Kaiserin Elisabeth Bahn" liquidiert. Die KEB war bestrebt, diese Linie zu erwerben, da sie die kürzeste Linienführung von Wien nach München darstellte (65 km kürzer als über Salzburg) und die KEB die Konkurrenzierung ihrer Linie über Salzburg fürchtete

5.4.1870: Sonntäglicher probeweiser "Vergnügungszug" zwischen Altheim und Braunau

20. Dezember 1870: Betriebsaufnahme auf der Strecke Neumarkt-Kallham - Braunau

1. Juni 1871: Fertigstellung der Brücke über den Inn nach Simbach und Eröffnung der Bayerischen Ostbahn Simbach - Mühldorf - München

1882: Verstaatlichung der KEB, die Strecke wird Teil der späteren "k.k. Staatsbahnen"

5. Juni 1883: Der 1. "Orient-Expreß" verläßt Paris Est Richtung Wien und während 14 Jahren (bis 1897) fährt dieser Luxuszug über die Strecke München - Simbach - Braunau - Ried - Neumarkt-Kallham - Wels (> Wien - Konstantinopel) und nicht über Rosenheim und Salzburg.

Orient Express (London-) Paris Est - Braunau - Ried - Wels - Wien - Konstantinopel

Langfristig sollte sich jedoch die Relation über Salzburg durchsetzen, die Innviertelbahn ist bis heute nur eingleisig und nicht elektrifiziert.

Betreiber der Strecke sind die ÖBB.

Stationen: Insgesamt 5 Stationen (Bahnhöfe und Haltestellen inkl. der Endpunkte) werden bedient (die Haltestelle Feldegg wurde 2001 aufgelassen), nämlich (in km von Neumarkt-Kallham, Höhenangaben bezogen auf den Pegel von Triest):

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Neumarkt-Kallham (0,0; Seehöhe 385 m ü.A.)

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Wendling (6,5)

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Pram-Haag (9,7; 439 m ü.A.)

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Feldegg (11,5), 2001 aufgelassen

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Peterskirchen (15,1)

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Ried im Innkreis (21,6; 451,6 m.ü.A.)

Funktion: Schwerpunkt im Personenverkehr, viele Schüler

Frequenz/Fahrzeit/: Werktags (Mo-Fr) finden sich in der HAFAS-Fahrplan Abfrage 2011/2012 ab Neumarkt-Kallham 18 Direktverbindungen nach Ried im Innkreis von 5.53 bis 22.17. Die Fahrzeit der meisten Regionalzüge beträgt 20 Minuten, die schnellste Verbindung ist die 2008 eingeführte  Schnellzugverbindung DE/RE 968 von Garsten bei Linz nach München mit 15 Minuten. Am Sonntag gibt es 11 Direktverbindungen von 6.48 bis 22.17.

Rollmaterial: Der Personenverkehr im Innviertel wird auf allen Strecken mit dem Jenbacher Triebwagen 5047 abgewickelt, der je nach Bedarf Solo oder in Doppeltraktion anzutreffen ist. Der morgendliche D-Zug 968 nach München bzw. der abendliche Gegenzug von München (nach Linz) wird mit IC-Wagen (1. und 2. Klasse) geführt und von einer Herkules (2016) gezogen. Weiters sind im grenzüberschreitenden Verkehr Dieseltriebwägen der DB / Südostbayern Bahn vom Typ 628 mit Steuerwagen 928 im Einsatz.

Innviertelbahn Neumarkt-Kallham - Ried im Innkreis - Braunau am Inn. DEEF / Dr. Michael Populorum, DEEF 2011

Innviertelbahn Neumarkt-Kallham - Ried im Innkreis - Braunau am Inn. DEEF / Dr. Michael Populorum, DEEF 2011

Neumarkt-Kallham West, Abzweig von der elektr. Passauerbahn

Wendling

Innviertelbahn Neumarkt-Kallham - Ried im Innkreis - Braunau am Inn. DEEF / Dr. Michael Populorum, DEEF 2011 Innviertelbahn Neumarkt-Kallham - Ried im Innkreis - Braunau am Inn. DEEF / Dr. Michael Populorum, DEEF 2011
Pram-Haag Peterskirchen
Bahnhof Ried im Innkreis, Dreh- und Angelpunkt ("Rieder Stern" oder "Rieder Kreuz") für den Innviertel-Takt. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011 Alle Fotos: Dr. Michael Populorum, DEEF

Plakat Orient Express: Quelle Wikipedia, gemeinfrei

Reger Verkehr im Taktknoten Ried im Innkreis. 2 ÖBB Triebwägen 5047 sowie der Steuerwagen 928 der Südostbayernbahn bereit zur Abfahrt nach Mühldorf  

Fazit & Ausblick: Der Verkehr auf der Innviertelbahn kann aktuell als positiv bezeichnet werden, wiewohl es natürlich zahlreiches Optimierungspotential gibt. Ein optimierter "Innviertel-Takt" könnte richtungsweisend in Österreich für den Nahverkehr in der Fläche werden. Inwieweit der angedachte Ausbau der Innviertelbahn zu einer Hochleistungsstrecke auch umgesetzt werden wird, das steht in Zeiten leerer Kassen gepaart mit gleichzeitiger Orientierungslosigkeit bei den verantwortlichen Verkehrspolitikern jedoch in den Sternen. Keinesfalls jedoch darf begonnen werden, das "Innviertler Eisenbahnnetz" (hier ist der Terminus noch berechtigt) mit den Backbone-Knoten Neumarkt-Kallham, Ried im Innkreis, Braunau sowie Schärding an der einen oder anderen Stelle zu amputieren. Denn wie heißt es so schön: Das Ganze ist grösser als die Summe seiner Teile!

Hier geht die Fahrt weiter:
Innviertelbahn Teil 2: Von Ried im Innkreis nach Braunau am Inn und weiter nach Simbach (Inn) >>>

Quellen:

Hager Christian, 1995: Die Bahnen im Innviertel. Bahn im Bild Band 92

Christopher Andreas, 1988:  Kohlebahnen im Hausruck. Bahn im Bild Band 64

Aschauer, Franz, 1964: Oberösterreichs Eisenbahnen. Geschichte des Schienenverkehrs im ältesten Eisenbahnland Österreichs. Schriftenreihe der oö. Landesbaudirektion, Band 18. Wels.

Wikipedia

 

Links:

DEEF: Hausruckbahn Teil 1: Direttissima Schärding - Ried im Innkreis >>>

DEEF: Hausruckbahn Teil 2: Von Ried im Innkreis nach Attnang-Puchheim >>>

DEEF: Die Innviertelbahn Teil 1: Von Neumarkt-Kallham nach Ried im Innkreis >>>

DEEF: Die Innviertelbahn Teil 2: Von Ried im Innkreis über Braunau am Inn nach Simbach (Inn) >>>

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      Innviertelbahn Neumarkt-Kallham - Ried im Innkreis - Braunau am Inn. DEEF / Dr. Michael Populorum, DEEF 2011           

Bahnhofsrestaurant "Schnitzlwirt" im Bahnhof von Ried im Innkreis

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur DEEF;  Erstmals online publiziert: 18. Dezember 2011; Ergänzungen: 17.2.2013

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Last modified  Sonntag, 24. Mai 2015 22:13:41 +0200
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