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Die Gailtalbahn von Arnoldstein über Hermagor nach Kötschach-Mauthen

Die Gailtalbahn ist eine eingleisige knapp 62 km lange normalspurige Nebenbahn in Kärnten, die in Arnoldstein von der Rudolfsbahn (nach Tarvis-Pontafel/Pontebba-Udine..) abzeigt und über Hermagor zu ihrem Endpunkt nach Kötschach-Mauthen führt.

Die Initiative zum Bau der Gailtalbahn kam vom Arnoldsteiner Fabrikanten Felix von Mottony, welcher am 11. Juli 1893 die Konzession für den Bau von Arnoldstein bis Hermagor bekam. Ursprünglich sollte die Bahn kostengünstiger als 760 mm Schmalspurbahn errichtet werden, jedoch war das nicht im Sinne des Militärs, welches den Krieg mit Italien bereits heraufziehen sah.

Der 1. Abschnitt der Gailtalbahn von Arnoldstein nach Hermagor wurde am 11. August 1894 eröffnet. Der 2. Abschnitt Hermagor - Kötschach Mauthen wurde im 1. Weltkrieg aus Zeitgründen zunächst als k. k. Militärbahn gebaut (Betriebsaufnahme 13. Dezember 1915) und erst nach Kriegsende wurde die teilweise beschädigte Strecke in eine reguläre Bahnstrecke umgebaut.

Die Eröffnung des Güterverkehrs bis Dellach im Gailtal und des Personenverkehrs bis Kötschach-Mauthen erfolgte am 1. Februar 1918. Ab 1. Juni 1918 war die Gailtalbahn auf der gesamten Strecke bis Kötschach-Mauthen sowohl für Güter- wie Personenverkehr freigegeben.

Die Betriebsführung heute erfolgt durch die ÖBB, welche seit ca. 2007 vorwiegend modernes (aber unbequemes) Wagenmaterial in Form des Dieseltriebwagens Desiro (5022, vulgo "Desastro") einsetzt (vormals 5047er aus der österreichischen Jenbacher-Schmiede). Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 80 km/h bei einer maximalen Neigung von 17 Promille. Außer einer 60 m langen Brücke über die Gail weist die Gailtalbahn keine nennenswerten Kunstbauten auf.

Gailtalbahn Arnoldstein Kötschach-Mauthen. DEEF / Dr. Michael Populorum copyright 2012

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Mit dem Desiro ("Desastro") 5022-022-5 ging die Reise los in Villach Hauptbahnhof auf Bahnsteig 8, welcher deutlich abseits der anderen Bahnsteige liegt In Arnoldstein beginnt die Gailtalbahn (Kilometrierung 0,0). Der Bahnhof hat ob seiner Größe früher wohl mehr Bedeutung als heute gehabt. Der Bahnhof ist mit einem FDL besetzt, wirkt aber irgendwie ausgestorben. Ob die Bahnhofsrestauration aktiv ist konnte (noch) nicht eruiert werden. Höhe über der Adria am Molo Sartorio von Triest (m.ü.A.) 567 m
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Abzweig von der Kronprinz Rudolf Bahn kurz nach dem Bahnhof Arnoldstein bei km 395,6 (Kilometrierung ab St. Valentin). Personenverkehrsmässig ist die Strecke nach Tarvis-Udine-Venedig trotz Neubaustrecke ob Blockadepolitik der Italiener im Dornröschenschlaf. Ab Juni 2012 sollte sich da endlich was ändern, die ÖBB planen 2 Züge täglich nach Udine In einem ca. 60 m langen Eisenkasten geht es über die dem Tal namensgebende Gail
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Bahnhof Nötsch, km 8,850, 559 m.ü.A.

Station Emmersdorf im Gailtal, km 13,240, 563 m.ü.A. Die urspürngliche Station Emmersdorf befand sich bei km 12,400.
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Bahnhof St. Stefan-Vorderberg, km 16,462, 561 m.ü.A. Bahnhof Görtschach-Förolach, km 22,245, 570 m.ü.A.
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Blick Richtung Westen (taleinwärts) mit satten Maiwiesen, im Hintergrund südlich die Karnischen Alpen mit dem Poludnig als Grenze ins Friaul (heute Italien) Haltestelle Pressegger-See, km 25,496, 572 m.ü.A. Der Pressegger-See ist mit 54 qm als 9.größter See Kärntens ein beliebter Badesee und Naturschutzgebiet mit Schilfgürtel. Bekannt war er bei Gourmets früher für seine Edelkrebse, die mit der Bahn bis nach Wien geliefert wurden
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Vellach-Khuenburg, Station mit einfachem Unterstand. Km 27,869, 590 m.ü.A. Hermagor, Bezirksstadt, Bahnhof mit aktivem Bahnhofsbuffet im rechten Nebengebäude mit Aussenplätzen. Hier finden meist die Zugkreuzungen statt. Km 30,686. Seit 1993 ist Hermagor Zugleitbahnhof für die Gailtalbahn. Höhe über der Adria 590 Meter.
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Zugkreuzung im Bahnhof von Hermagor. Labungsstelle im Buffet, in Sichtweite und fußläufig ein Adeg-Supermarkt. Die Station Postran besteht nur aus einem Schild mit Bank, Mistkübel und Infotafel. Im Sommer - von den hier häufig wütenden Gewitter abgesehen - ok, aber im Winter etwas für abgehärtete Bahnreisende. Km seit Arnoldstein 34,543, 583 m.ü.A.
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Die Station Watschig erinnert an einen betonierten militärischen Unterstand - immerhin war im 1. WK die Front nicht weit. Km 36,580, m.ü.A. 591 Der Fluß Gail, namensgebend für dieses Tal, entspringt am Tilliacher Joch in Osttirol und ist der größte rechtsufrige Zufluß der Drau, in die die Gail bei Maria Gail mündet. Die Gail ist hier steter Wegbegleiter der Bahn
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Der Unterstand der Station Tröpolach mit Fernsprecher direkt an der Bundesstrasse gelegen. Km 38,292, 595 m.ü.A., Der Bahnhof Rattendorf-Jenig, ein schmucker Bahnhof aus der Errichtungszeit der Gailtalbahn. Km 40,829, 602 m.ü.A.
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Neuer Holzunterstand der Haltestelle Waidegg, Km 42,730, 605 m.ü.A. Bahnhof Kirchberg im Gailtal, Km 46,702, 622 m.ü.A.
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Der Betonunterstand der Station Reisach bei Streckenkilometer 49,020, 626 m.ü.A. Bahnhof Gundersheit mit einfachem Aufnahmsgebäude, Km 51,915, 637 m.ü.A.
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Bahnhof Dellach im Gailtal mit stattlicherem Aufnahmsgebäude mit angebauter Veranda, Km 55,140, 655 m.ü.A. Direkt links hinter dem Bahnhof befindet sich eine Gastwirtschaft Einfacher Holzunterstand der Station St. Daniel bei Streckenkilometer 57,274, 666 m.ü.A.

Insgesamt 19 Stationen (Bahnhöfe und Haltestellen inkl. der Endpunkte) werden bedient.

Ein wirklicher Takt ist nicht erkennbar. Im Sommerfahrplan 2012 ist folgende Frequenz zwischen Villach und Kötschach-Mauthen gegeben:

Werktäglich 7 Verbindungen, davon 1 mit Umsteigen in Villach Warmbad (1. Verbindung 7.46 ab Villach, letzte 18.56), am Sonntag 6 Verbindungen.

Bis Hermagor, dem Bezirkshauptort, gibt es werktäglich 9 Verbindungen (1. Verbindung 6.15, letzte 20.17), am Sonntag 7 Verbindungen.

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Das Pfarrkirche von St. Daniel, Urpfarre des oberen Gailtals, mit saftigen Maiwiesen im Vordergrund und dahinter die Reißkofelgruppe der Gailtaler Alpen Arrivato - das Ziel Kötschach-Mauthen ist erreicht nach genau 61,714 km ab Arnoldstein bzw. ca. 78 km von Villach Hbf. Dort fuhren wir um 11.14 ab, Ankunft 13.08, also 1.54 Minuten. Die Fahrzeit ist wahrlich nicht berauschend und rührt auch von einigen Langsamfahrstellen her
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Blick Richtung Streckenende, im Hintergrund die Karnischen Alpen als Grenze zu Italien mit dem Hausberg der Kötschach-Mauthener, dem 2.323 m hohen Polinik. Links sichtbar das alterwürdige ausser Funktion gefallene Heizhaus Eine Schande ist der an sich gut in Schuß befindliche Bahnhof von Kötschach-Mauthen. Die ÖBB haben sämtliche Türen des Bahnhofs versperrt inkl. Warteraum und WC. Eine alte Dame hat sich darüber sehr und zurecht aufgeregt, sie mußte ins nahegelegene Restaurant gehen um ihre Notdurf zu verrichten. Blumenschmuck sucht man ebenso vergeblich!
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Das Streckenende ist erreicht. Die angedachte Verlängerung durch das Lessachtal bzw. durch einen Tunnel nach Lienz oder Sillian wurde nicht realisiert Blick durch eine zerschlagene Fensterscheibe ins Innere des alten Heizhauses - ein Wunder, daß es bis dato der allgegenwärtig drohenden Abrißbirne der Staatsbahn entgangen ist...

Labung in Kötschach-Mauthen: Direkt in Sichtweite des Bahnhofs Kötschach-Mauthen bietet sich für den hungrigen und durstigen Eisenbahnreisenden eine gute Labungsstation an - der traditionelle Kastanienhof mit den wunderschönen gerade in Blüte stehenden Kastanienbäumen ist zwar Geschichte, aber genau gegenüber ist man im Cafe-Restaurant Reiter gut aufgehoben. Auf der Terrasse entspannend habe ich mir das Menü um 9 Euro bestellt - Curryschaumsuppe, dann Schweinefiletspieß mit Zwiebelsauce und einer Knödel-Ei-Tarte, dazu ein gemischter Salat. Die Halbe Gösser kostete 3.-, hausgemachte Linzer Schnitte mit Schlag danach 2,20.-, ein Achterl guter Veltliner 1,90.-

Der Herr des Hauses erzählte mir auch, daß im 1. Weltkrieg die Bahnlinien hinter dem Haus vorbei bis zum Sägewerk verlängert wurde, um dort einen großen Mörser in Stellung zu bringen. Über die Geschichte 1915-1918 gibt es im unmittebar benachbarten Museum im Gemeindeamt Wissenswertes zu erfahren - leider war es über Mittag geschlossen.

Fazit/Ausblick: Die Fahrt mit der Gailtalbahn ist landschaftlich recht reizvoll. Gerade im Mai ist das Farbenspiel natürlich doppelt schön. Zu denken geben sollte die lange Fahrzeit, die auch durch einige Langsamfahrstellen (20 km/h bei einigen Ein-/Ausfahrtsweichen in den Bahnhöfen) bedingt ist. Ein Eisenbahnliebhaber, der eine Streckenbefahrung macht, der wird sich daran nicht stossen, aber ein Pendler, der täglich fahren muß, sicher zu Recht sehr wohl und Neukundengewinnung wird so schwierig sein bei einem Schnitt von ca. 40 km/h.

Auch das Wagenmaterial verleidet einem das Bahnfahren - der "Desastro" mag zwar modern sein, aber er ist vor allem eine Zumutung an die Kunden hinsichtlich Sitzqualität  - kein Vergleich zu den alten aber guten 5047ern aus Jenbach. Auch wurde schon mehrmals - so auch bei der Rückfahrt - ein Ausfall der Klimaanlage beobachtet und das WC ließ sich bei der Hinfahrt nicht versperren. 

Eine "rote Karte" auch für die ÖBB, die bspw. in Kötschach-Mauthen den Bahnhof versperrt und die Kunden ohne Infrastruktur auskommen müssen - von einer liebevollen Gestaltung mit Blumen mal ganz abgesehen.

Es ist zu hoffen, daß man die Gailtalbahn in ihrer gesamten Länge attraktiviert und nicht wie andernorts oft zu beobachten einfach ihrem Schicksal überläßt, um sie dann irgendwann stillzulegen - das wäre schade, vor allem auch für den sanften Tourismus, der in dieser schönen Landschaft einfach ein MUST ist.

      Gailtalbahn Arnoldstein Kötschach-Mauthen. DEEF / Dr. Michael Populorum copyright 2012           

Hektometerstein mit Kilometerangabe 62 km (von Arnoldstein) ca, 100 m vor dem Streckenende der Gailtalbahn

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur DEEF;  Erstmals online publiziert: 20. Mai 2012; Ergänzungen: 27.6.2014

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Last modified  Sonntag, 24. Mai 2015 22:13:43 +0200
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