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Steil bergan auf Österreichs grösste Burg - die Festungsbahn Salzburg

Festungsbahn Salzburg. Seit 1892 auf die grösste Burg Österreichs. Foto Dr. Michael Populorum / DEEFDie Festung Hohensalzburg (erbaut ab 1077) ist nicht nur die grösste Burg Österreichs und eine der grössten Europas, sondern auch unter den Top  Destinationen in Österreich. Die Festung ist die grösste Touristenattraktion in der Stadt Salzburg und so tauchten rasch Ideen zu einer verkehrsmässigen Erschliessung ebenso wie die der beiden Stadtberge Mönchsberg und Kapuzinerberg auf. Als erstes ging der alte Mönchsbergaufzug (am Fels aussenliegende Stahlkonstruktion) im August 1890 in Betrieb. Knapp 2 Jahre später, am 1. August 1892, ging die 1. Festungsbahn in Betrieb (errichtet und betrieben von der SETG - Salzburger Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft), während der Kapuzinerberg trotz einiger immer wiederkehrender Erschliessungsideen, vornehmlich zum Franziskischlössl, aktuell nach wie vor ohne Erschliessung durch Aufzug oder Seilbahn geblieben ist. Wobei anzumerken ist, dass die Festung bereits seit 1502 durch den von Erzbischof Leonhard von Keutschach erbauten sogenannten Reißzug erschlossen ist. Dieser diente jedoch seit den Anfängen bis heute nur dem Materialtransport.

Die erste Festungsbahn (ab 1892) war antriebsmässig ein Kuriosum - der Antrieb erfolgte nicht per Dampf oder Elektrizität sondern die Anlage wurde als "Wassergewichtsbetrieb" konzipiert. Dh. in der Bergstation wurde in den talwärts fahrenden Wagen Wasser gefüllt, das zuvor dem Almkanal entnommen und auf die Festung gepumt wurde und durch dieses Zusatzgewicht konnte der in der Talstation befindliche Wagen bergwärts gezogen werden. Vornehmlich für Bremsaufgaben diente die Zahnstange System Riggenbach. Die Bahn wurde von den Einheimischen ob des Antriebs auch als "Tröpferlbahn" bezeichnet.

Nach dem 2. Weltkrieg genügte die alte Bahn den steigenden Anforderungen (Gästefrequenz, Sicherheit..) nicht mehr uns sie wurde grundlegend umgebaut. Die Festungsbahn Generation 2 ging 1960 in Betrieb und aktuell stehen Technik und Fahrzeuge der Generation 3 (seit 1992) im Einsatz. Zuletzt wurden ca. 1,7 Millionen Fahrgäste pro Jahr befördert.

Ergänzung: In einer verlängerten Betriebspause vom 10.1. bis 31.3.2011 wird die Festungsbahn um 4 Millionen Euro modernisiert. Dabei werden 2 neue Wagen angekauft, die eine Erhöhung der Förderleistung ermöglichen.

Einige technische Details zur Festungsbahn 1-3 (Angaben variieren je Quelle leicht, diese Übersicht entstammt dem unten angeführten Linktip):

 

I. Generation

II. Generation

III. Generation

IV. Generation

Eröffnung:

30.07.1892

16.4.1960

9.4.1992

1.4.2011

Betrieb bis: 

18.10.1959

11.11.1991

9.1.2011 

 

Höhendifferenz:

102 m

 

 

 

schräge Länge: 

196 m

196 m

198,5 m

 

maximale Neigung:

62 %

 

 

 

Spurweite: 

1040 mm

1040 mm

1040 mm

1040 mm

Art des Antriebs:

Wasserballast

elektrisch

elektrisch

elektrisch

Antriebsleistung:

 

80 kW

225 kW

 

Zugseildurchmesser:

32 - 35 mm

 

25 mm

 

Fahrbetriebsmittel:

2 zu je 26 Personen

2 zu je 36 Personen

2 zu je 48 Personen; Förderleistung: 1.600 Pers./Std.

Förderleistung: 1.800 Pers./Std.

Geschwindigkeit:

1,0 m/s

2,4 m/s

5,0 m/s

 

Fahrzeit:

 

80 s

58 s

48 s

Festungsbahn Salzburg. Seit 1892 auf die grösste Burg Österreichs. Foto Dr. Michael Populorum / DEEF

Festungsbahn Salzburg. Seit 1892 auf die grösste Burg Österreichs. Foto Dr. Michael Populorum / DEEF

Ergänzende Anmerkungen: Festungsbahn und Mönchsbergaufzug, beide betrieben von der SLB, bescheren dem Betreiber satte Gewinne. Dazu trägt auch der - kundenunfreundliche - Umstand bei, dass normale Fahrscheine des Salzburger Stadtbus (bspw. 24 Stundenticket) nicht anerkannt werden und extra abkassiert wird. Dies wurde und wird seit jeher von einheimischen Fahrgäste kritisiert. Hier sollte sich der Betreiber bspw. an der Stadt Graz orientieren - sämtliche Fahrkarten der Grazer Verkehrsbetriebe werden auch auf der Schlossbergbahn anerkannt. Für auf der Festung wohnende bzw. arbeitende Personen gibt es einen Spezialtarif, den auch ich Ende der 80er Jahre in Anspruch nahm, als die Festung fast mein 2. Zuhause war. Oftmalige Besuche eines guten Kumpels namens Roland Wagner sowie Arbeit im Atelier Hödlmoser - aber das ist alles bereits längst Geschichte ...

Die ehemalige Zwischenstation an der Ausweiche bei der Katze (Haltestelle "Mönchsberg", vormals "zur Katze"), an die ich mich noch auch aus meiner Kindheit gut erinnere, wird aktuell nur mehr für Lastentransporte (Gastronomie) bedient.

Die beiden Wagen sind nach berühmten Salzburger Erzbischöfen benannt: Wagen 1 "Paris Lodron", Wagen 2 "Wolf Dietrich".

Noch eine Anmerkung zum Mönchsbergaufzug: Nachdem dieser mit dem Bau des Grand Cafe Winkler 1947 in den Berg verlegt wurde, ergab sich im Zuge des Baus des Museums der Moderne die einmalige Gelegenheit, den Aufzug wieder nach aussen zu verlegen und durch eine hochwertige Architektur eine moderne Attraktion in der Altstadt zu schaffen. Man hatte allerdings wie so oft keinen Mumm dazu, die zahlreichen Einreichungen wurden zwar publiziert aber schubladiert. Nach der politisch verhinderten Jahrtausendchance mit Hans Holleins Guggenheim-Museum am Mönchsberg (Museum im Berg statt dem jetzigen Betonbunker Museum der Moderne) der nächste Stillstand in dieser Stadt. Neidvoll muss man da seine Blicke nach Innsbruck richten, Stichwort "Neue Hungerburgbahn" von Zaha Hadid (Bericht in Ausarbeitung).

Festungsbahn Salzburg. Seit 1892 auf die grösste Burg Österreichs. Foto Dr. Michael Populorum / DEEF

Festungsbahn Salzburg. Seit 1892 auf die grösste Burg Österreichs. Foto Dr. Michael Populorum / DEEF

Literatur / Links / Quellen:

Müller, Adalbert, 1976: Die Eisenbahnen in Salzburg. Geschichte der Schienen- und Seilbahnen. Salzburg.

Harrer, Heinrich und Holcomb, Bruce, 1980: Salzburger Lokalbahnen. Verlag Slezak Wien. Band 18 der Schriftenreihe Internationales Archiv für Lokomotivgeschichte (IAL 18).

Linktip: http://www.seilbahngeschichte.de/festungsbahn_salzburg.htm

Offizielle Webseite des Betreibers: http://www.salzburg-ag.at/verkehr/

      Festungsbahn Salzburg. Seit 1892 auf die grösste Burg Österreichs. Foto Dr. Michael Populorum / DEEF              

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur DEEF;  Erstmals online publiziert: 6. Januar 2011; Letzte Änderung: 10.1.2011

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Last modified  Sonntag, 24. Mai 2015 22:13:39 +0200
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