DEFF Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung Dr. Michael Populorum AustriaEisenbahnforschung # Eisenbahn-Archäologie # Eisenbahn-Geographie # Eisenbahn-Geschichte

DEEF Dr. Michael Populorum Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung

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Die Ennstalbahn (1) - Von Bischofshofen über Stainach-Irdning nach Selzthal

Mit dem Steuerwagen 6010 009 voraus erreicht der IC am 14. Mai 2008 den Bahnhof Bischoifshofen. Dort wird gestürzt und die Fahrt mit dem Triebkopf 4010 001 voran durch das Ennstal fortgesetzt. Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael PopulorumDie Ennstalbahn ist eine eingleisige elektrifizierte Hauptbahn, die in west-östlicher Richtung voerst durch das Fritztal (Fritzbachtal) und nachfolgend entlang der Enns vom salzburgischen Bahnknoten Bischofshofen zum steirischen Bahnknoten Selzthal führt. Die Bahnstrecke Selzthal - Bischofshofen (Ennstalbahn) und weiter Richtung Wörgl (Salzburg Tiroler Bahn bzw. Giselabahn) wurde von der k.k. priv. Kaiserin Elisabeth Bahngesellschaft errichtet und am 6.8.1875 eröffnet. Auch der Name Giselabahn (wie für die Salzburg Tiroler Bahn) war früher geläufig. Die ursprüngliche Baulänge betrug knapp 98 km, welche sich durch geringfügige Ausbaumaßnahme (Gleisverschwenkungen, Streckenverlegungen) leicht änderte. Die Tarifkilometer Bischofshofen - Selzthal betragen aktuell 102. Die Elektrifizierung der Ennstalstrecke erfolgte nach dem 2. Weltkrieg in mehreren Etappen, vollendet wurde sie 1959, als von Westen kommend der Strom Selzthal erreichte.

Ein zweigleisiger Ausbau sowie wirklich großzügige Beschleunigungsmaßnahmen wurden leider bis dato nicht realisiert. So schön die landschaftlichen Reize auf den Bahnreisenden wirken so ist doch dieser Streckenabschnitt eine Geschwindigkeits-Bremse für den höherwertigen IC-Verkehr Graz-Salzburg / Innsbruck - eine Fahrzeit von über 4! Stunden für 301 km ist völlig inakzeptabel. Dies trifft umso mehr zu, als daß die Ennstalstrecke ja den eisenbahnmässigen Nabel von Graz zum Westen darstellt. Dabei gab es aber in den letzten Jahren ohnehin schon einige Einbußen zu verzeichnen und weitere kurzsichtige, hüftschussartige Aktivitäten seitens der Staatsbahn unter Duldung der Politik (oder umgekehrt??) deuten sich an (siehe nachfolgend).

Frequenz / Fahrplan / Wagenmaterial:

Fernverkehr: Täglich gibt es aktuell je 6 innerösterreichische Direkt-Verbindungen Salzburg - Graz und Graz-Salzburg in einem 2-Stunden-Takt. Dies ist als absolute Minimalvariante zu sehen. Je 2 dieser Verbindungen sind EC von/nach Deutschland und werden mit DB-Wendezuggarnituren geführt. Seit 2011 sind auch die anderen 4 österreichischen Garnituren mit einem Cityshuttle-Steuerwagen ausgestattet, der das Stürzen in den Bahnhöfen Bischofshofen und Selzthal vereinfacht und beschleunigt. Zusätzlich gibt es noch 1 Verbindung Graz-Innsbruck mit Anschluß von/nach Salzburg mit dem IC nach/von Klagenfurt (Tauernbahn).

Verbindung Salzburg - Graz und retour (Nur höherwertige (Direkt-) Verbindungen):

Abfahrtsbahnhof Abfahrt um Ankunfsbahnhof Ankunft um Reisedauer (in Stunden) Zug Nr / Anmerkungen
Salzburg Hbf 6.15 Graz Hbf 10.23 4.08 IC 719 (DB Garnitur mit Bordrestaurant / Bistro)
Salzburg Hbf 8.15 Graz Hbf 12.23 4.08 IC 513
Salzburg Hbf 10.15 Graz Hbf 14.23 4.08 ÖBB IC 542 Ri Ibk, umsteigen B´hofen IC 515 von Ibk Hbf.
Salzburg Hbf 12.15 Graz Hbf 16.23 4.08 EC 217 (DB-Garnitur aus Saarbrücken, Bordrestaurant)
Salzburg Hbf 14.15 Graz Hbf 18.23 4.08 IC 519
Salzburg Hbf 16.15 Graz Hbf 20.23 4.08 IC 611
Salzburg Hbf 18.15 Graz Hbf 22.23 4.08 EC 219 aus Frankfurt/Main
Graz Hbf 5.45 Salzburg Hbf 9.44 3.59 EC 218 nach Frankfurt/Main
Graz Hbf 7.38 Salzburg Hbf 11.44 4.06 IC 512
Graz Hbf 9.38 Salzburg Hbf 13.44 4,06 IC 514
Graz Hbf 11.38 Salzburg Hbf 15.44 4.06 EC 216 nach Saarbrücken, DB Garnitur mit Bordrestaurant
Graz Hbf 13.38 Salzburg Hbf 17.44 4.06 IC 518 Ri Ibk, umsteigen B´hofen in ÖBB IC 649 Klagenfurt-Wien
Graz Hbf 15.38 Salzburg Hbf 19.44 4.06 IC 610
Graz Hbf 17.38 Salzburg Hbf 21.44 4,06 IC 718 mit DB-Garnitur, Bordbistro

Von Graz nach Innsbruck gibt es aktuell nur mehr 1!! Direktverbindung am Tag (IC 518), die Ende 2011 seitens der Staatsbahn gekillt werden soll. Der bis 2010 erfolgreich verkehrende ÖBB EC Graz-Bregenz (mit Autoverlad) wurde trotz bester Auslastung seitens der Staatsbahn unverständlicherweise gestrichen. In den 1990ern verkehrte eine Tagesverbindung Graz-Zürich mit Speisewagen und schweizer Panoramawagen ("Robert Stolz").  Auch Richtung Schweiz gibt es keine Tagesverbindung mehr, von Paris wie früher ganz zu schweigen. Ein Armutszeugnis! Bestehend ist noch der EN Verbindung von/nach Zürich - EN 464 Zürichsee (ab Graz 22.25, Zürich an 9.20 bzw. EN 465 (ab Zürich 20.40, an Graz 7.00 Uhr), beide Autoverlad zwischen Feldkirch und Graz.

Auch was das Wagenmaterial betrifft so wird (wurde) die Ennstalstrecke stiefmütterlich behandelt - im Jahr 2009 mußte ich geschäftlich öfter nach Graz, gefahren wurde mit alten angemieteten IR-Wagen von der DB. Hinsichtlich der 1. Klasse ging man sehr "pragmatisch" vor - die Ziffer "2" wurde durchgestrichen und ein "1" hingeschrieben!! Kurz vorher noch im 6010er gereist und dann sowas.... Im Rahmen der Streckensperre (ca. 1 Monat) mit SEV wurde gar der IC aus Innsbruck als Doppeltraktion Talent (S-Bahn-Fahrzeug!!) geführt. Skandalös konnte man da nur sagen!

Aktuell ist es halbwegs Ok, die DB-Züge haben ein Bistro und ausreichend 1. Klasse und die alten IR-Wagen sind Geschichte. Ein ganzer 1. Klasse-Wagen sowie ausreichend Fahrradtransport fehlen aber!

Regionalverkehr: Ist der FV nicht gerade üppig, so muß das weitgehend auch vom Regional- bzw. Nahverkehr mit aller Deutlichkeit gesagt werden. Möchte man bspw. von Bischofshofen nach Eben im Pongau fahren an einem Wochentag, so stehen dazu gerade mal 3 Verbindungen pro Tag zur Verfügung - um 7.40, 17.38, 20.37. Dazwischen gibt die Fahrplanauskunft einige Busverbindungen an, bzw. man muß mit dem Intercity bis Radstadt fahren und dann mit dem Bus wieder retour. Ein Taktverkehr ist auch nicht erkennbar, also völlig ungenügend.

Etwas besser als im Bundesland Salzburg (welches ja auch den Regionalverkehr auf der Tauernbahn vollkommen aufgegeben hat!!) sieht es in der Steiermark aus. Möchte man bspw. von Schladming wochentags nach Gröbming, so wirft die Fahrplanauskunft täglich 11 Verbindungen aus (von 5.00 bis 21.35). Dabei ist auch ein Takt zu erkennen ("Steirertakt").

Suboptimal angebunden ist besonders in der Randzeit die Salzkammergutbahn von Stainach-Irdning durch das steirische und oberösterreichische Salzkammergut nach Attnang-Puchheim bzw. Linz. So ist es nur am Sonntag möglich, mit dem letzten IC von Graz (Abfahrt 17.38 ab Graz) von Stainach-Irdning noch einen Anschluß Richtung Attnang-Puchheim (u.a. über die touristischen Destinationen  Bad Ischl, Gmunden) zu bekommen. Unter der Woche und am Samstag hat man Pech - der letzte Anschlußzug (an sich ja auch schon viel zu früh um halb 8 Uhr abends) fährt nur bis Bad Aussee - denn da hört ja die Steiermark auf und dann kommt Oberösterreich! Gepaart mit dem tw. unangebrachten Wagenmaterial (S-Bahngarnituren Talent) ergibt sich deutliches Optimierungspotential.

Das Problem der "Verbundesländerisierung" des Schienenverkehrs in Österreich: Offenbar ist es ein dehnbarer Begriff geworden in Österreich, was man unter einem Grundangebot an öffentlichem Verkehr versteht.  Sah man früher einzelne Destinationen als Teil eines grösseren Ganzen (Verkehrsnetz), so scheint es Mode geworden zu sein seitens der Staatsbahn, für jahrzehntelang bediente Destinationen plötzlich Geld von den Ländern (oder für Halte von den Gemeinden!) verlangen zu wollen. Zahlen die Ländern nicht, so wird an der Landesgrenze umgedreht (falls überhaupt gefahren wird) und zahlen die Gemeinden oder Städte nicht, dann wird einfach durchgefahren. Wild West auf Österreichs Schienen! Folgen in dieser Region: Fuhren früher Regionalzüge von Selzthal kommend meist bis Bischofshofen durch und hatten Anschluß Richtung Salzburg, Innsbruck oder Klagenfurt, so fahren sie jetzt nur mehr bis Schladming (denn offenbar hat das Land Salzburg kein Interesse an den Fahrgästen aus dem steirischen Raum). Vor allem auch ausländische Touristen werden sich ihren Teil denken über solch ein Kirchturmdenken.

Gleiches Beispiel auf der Salzkammergutstrecke - verkehrten früher fast alle Züge auf der gesamten Destination Attnang-Puchheim - Stainach-Irdning, so dreht seit einigen Jahren jeder zweite "oberösterreichische Zug" in Obertraun um (Landesgrenze) und auf der südlichen Seite enden viele "steirische Züge" in Bad Aussee (Landesgrenze). Von nachhaltigem volkswirtschaftlichem Denken ist man in Österreich wohl weit entfernt.

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Noch gibt es diesen IC 513 - jede Kürzung statt weiterem Ausbau unter gleichzeitiger "Motivierung" der potentiellen Kunden wäre fatal und ein Signal in die falsche Richtung

Fazit:

Mit ein bisschen (politischen) Willen liesse sich Einiges bewegen im Ennstal, wie überhaupt auf Österreichs Schienen. Ein 2-Stunden Regionaltakt sowie ein 2-Stunden IC-Takt Graz-Salzburg stellen dabei das Mindestangebot dar. Alles darunter ist inakzeptabel! Die Forderung nach Beschleunigungsmaßnahmen (Salzburg - Graz max.!! 3,5 Stunden) muß erhoben werden!!

Aus gegebenem Anlaß: Geplanter Kahlschlag - Halbierung des IC-Verkehrs Graz-Salzburg durch das Ennstal mit Fahrplanwechsel 2011/12. Staatsbahn-Management und Ministerin zucken aus, Landes- und Gemeindepolitiker sehen tatenlos zu! Bericht folgt!

Die Stationen (Kilometerangaben ab Bischofshofen; Seehöhe in Meter über dem Pegel von Triest):

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Bischofshofen (km 0,2; 544 m)

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Pöham (4,2; 610 m)

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Hüttau (10,1; 722 m)

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Niedernfritz-St. Martin (12,2; 758 m)

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Eben im Pongau (17,1; 856 m)

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Altenmarkt im Pongau (21,0; 843 m)

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Radstadt (24,1; 832 m)

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Mandling (Salzburg, 32,3; 812 m)

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Pichl (Steiermark, 36,8; 769 m)

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Schladming (41,6; 739 m)

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Haus (51,7; 698 m)

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Aich-Assach (53,3; 693 m)

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Pruggern (57,8; 690 m)

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Gröbming (59,9; 676 m)

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Stein an der Enns (63,4; 667 m)

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Öblarn (67,8; 663 m)

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Niederöblarn (71,0; 656 m)

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St. Martin am Grimming (73,1; 649 m)

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Stainach-Irdning (80,4; 645 m) > Abzweigung der Salzkammergutbahn Bad Aussee-Bad Goisern-Ischl-Gmunden-Attnang Puchheim

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Wörschach Schwefelbad (ehm. Bahnhof, 83,8; 644 m)

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Liezen (92,7; 642 m)

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Selzthal (98,9; 639 m) > Abzweigung Rudolfsbahn (Schoberpaßstrecke St. Michael-Graz bzw. Klagenfurt); Ennstalbahn 2 (Rudolfsbahn) durch das Gesäuse nach Hieflau-Kleinreifling-St. Valentin; Pyhrnbahn nach Linz

Besondere Kunstbauten:

Neben zahlreichen kleineren bis mittleren Brücken sowie einigen Viadukten anfangs über den Fritzbach und gen Osten hin dann über die noch junge Enns weist die Ennstalstrecke 3 Tunnel auf:

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Kreuzberg Tunnel (711 m), stellt die Verbindung zwischen dem Salzachtal und dem Fritztal her

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Alpfahrt Tunnel (60 m, 20,1 Promille Steigung)

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Hüttauer Tunnel (98 m, 620 m Radius)

Streckenbeschreibung:

Der Ausgangsbahnhof Bischofshofen, bis vor wenigen Jahren einer der 3 Inselbahnhöfe Österreichs neben Salzburg und Selzthal, liegt auf einer Seehöhe von 544 m und gilt seit jeher als Eisenbahnerort. Der Bahnhofsumbau wird von vielen Insidern als eine weitere "Verschlimmbesserung" im Rahmen der ÖBB-Bahnhofsoffensive gesehen. Das Ambiente ist eher frostig, die künstlerisch-architektonische Gestaltung austauschbar und wertlos. Kunden berichten u.a. davon, daß es in dem neuen Bahnhof zieht wie in einem Vogelhäusl (Winter) und eine Bahnhofsgastronomie sucht man auch vergeblich. Wohlfühlen sieht sicher anders aus.

Nachdem der IC von Salzburg kommend "kopfgemacht" hat (Fahrtrichtungswechsel, "Stürzung", seit 2011 ist bei den österreichischen IC ein Cityshuttle-Steuerwagen gereiht, sodaß der Lokwechsel entfällt, die eingesetzten DB-Garnituren sind von Haus aus Wendezüge) verlassen wir den Bahnhof Bischofshofen in nördlicher Richtung. Rechter Hand der ehemalige Traktionsstandort mit dem alten nun ungenutzten Rundlokschuppen sowie im Hintergrund die steinernen kahlen Felsmassen des Tennengebirges, die zwar unwirtlich aber doch majestetisch heruntergrüssen. Weiters sieht man die hoch oben auf einer modernen Betonbrücke führende B 311, die Pinzgauer Bundesstrasse. Auf einer 62 m langen Eisenuntergurtbrücke überqueren wir die Salzach und sehen linker Hand noch die Richtung Salzburg führende Salzburg Tiroler Bahn, welche die Salzach auf einer Kastenbrücke übersetzt.

Rechts an der Lehne des Kreuzberges entlang gewinnt der IC mit der Streckenmaximalneigung von 22,6 Promille, die zahlreichen Schrebergärten unter sich liegen lassend, schnell an Höhe und schon verschwindet der IC im 711 m langen, im 261 m Radius nach rechts (Osten) schwenkenden Kreuzbergtunnel. Wenig stäter speit uns der Kreuzbergtunnel in das Fritztal, linker Hand die Autostrasse (B99 Katschbergbundesstrasse) und der Fritzbach, den wir sofort auf einer 16 m langen Brücke übersetzen. Strasse und Bach werden auf den nächsten Kilometern unsere engsten Weggefährten sein und mehrmals wird Bach und Strasse von unserem IC überquert. Der Fritzbach mußte ingesamt 10x überbrückt werden.

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Das Ostportal des 711 m langen Kreuzbergtunnels

Bis zur nächsten Station Pöham beträgt die Steigung durchschnittlich 15,5 Promille. Diese erkennt man an der ebenen Lage des nun rechts auftauchenden Ladegleises von der Station Pöham (kleines hölzernes Aufnahmsgebäude linker Hand). Nach der Station Pöham langgezogenen Kurven mit rechts einem zweiten Gleis, welches für Zugkreuzungen genutzt werden kann.

Nach der 3. Fritzbachbrücke mit 30 m Länge  wird die Strasse niveaugleich überquert und Bach und Strasse sind nun rechts des Schienenstranges. Eng mäandrierend, angepasst an den Fritzbach, geht es dahin, nicht gerade schnell.  Dann fahren wir in den 60 m langen Alpfahrt Tunnel, der durchgehend gemauert ist. Die Durchschnittsgeschwindigkeit in diesem Abschnitt beträgt zwischen 70 und 80 km/h.

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Im 60 m langen Alpfahrt Tunnel Ostportal des Hüttauer Tunnels, Länge 98 m

Auf einer neuen Eisenkastenbrücke wird Strasse und Bach übersetzt, vor den letzten Sanierungsmaßnahmen im Jahre 2009 bestand dort eine  25 m Stahlbrücke ohne Kasten. Linker Hand weit oben wird ganz kurz die kühn (und mit viel Steuergeld) errichtete Betonbrücke der A 10 (Tauernautobahn) sichtbar

Auf einer weiteren neu sanierten Kastenbrücke geht es über Strasse und Bach (vormals 25 m Stahlbrücke ohne Kasten), beide "Weggefährten" sind nun rechts aber nur für ein paar hundert Meter, dann setzen wir über beide hinweg mittels einer 43 m langen Trapezfachwerkbrücke und sie sind wieder linker Hand unseres Schienenstranges.

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

10x wird der Fritzbach und oftmals auch die B 99 überquert

Links wird der spitze Kirchturm der gotischen Hallenkirche von Hüttau mit Rennaisancealtären sichtbar. Hüttau ist der  wichtigste Ort im Fritzbachtal mit ausgeprägter Sommerfrische. Der Bahnhof ist jedoch etwas weiter entfernt und folgt erst nach dem Hüttauer Tunnel, dessen 98 Meter Länge uns nur kurz vor de Sonnenlicht abschirmen. Linker Hand der besetzte Bahnhof von Hüttau, ein einfacher (aber im Ggs. zu den Neu-/Umbauten "menschlicher") Bau der Gründerzeit, wo eine Kaind-Holzzug am Hausbahnsteig steht. 3 Gleise weist der  Bahnhof auf.

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Bahnhof Hüttau mit Güterzug am Hausbahnsteig

Kurz danach rechts schon die ersten Häuser von Niedernfritz, neue Holzlärmschutzwände "zieren" die Strecke, dann kurz vor der HS Niederfritz-St. Martin (linker Hand) wird der Fritzbach zum 8. Mal übersetzt, dieses Mal auf einem 130 m langen Viadukt.

Die Geschwindigkeit unseres IC ähnelt eher der einer Strassenbahn als eines Fernverkehrszuges, während links hoch über uns die millionenteure, "aufgeständerte" Autobahn dahinzieht und dem Indivudualreisenden sicher höhere Geschwindigkeiten ermöglicht. Dann die 9. Fritzbachquerung sowie Übersetzung der Strasse auf einem 28 m langen Viadukt.

Langsam weitet sich das Tal und sogar eine kurze Gerade ermöglicht dem IC etwas mehr Fahrt, bevor wir  zum letzten Mal den Fritzbach auf einer 25 m langen Brücke überqueren und unterqueren gleichzeitig  die quer über das Tal auf einer grossen Betonbrücke führende Tauernautobahn, welche vor Augen führt, welche Prioriäten in Österreich in der  Verkehrspolitik gesetzt wurden und immer noch werden.

Dann durcheilen wir Eben im Pongau mit seinem schmucken Bahnhof, der auch noch besetzt ist. Einige frisch beladene Holzwagen deuten den Bedarf an Güterzügen an, wobei es da ja Probleme gab / gibt mit der Staatsbahn, die plötzlich "betriebswirtschaftlich" zu denken anfängt und die Gleisanschlüsse nicht mehr wie gehabt bedienen möchte.  Von Eben aus wird mittels Aufstiegshilfe die Roßbrandalm erschlossen. In Eben erreichen wir auch den höchsten Punkt der Strecke, gleichzeitg Wasserscheide zwischen Salzach und Enns.

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Das gut und original erhaltene Bahnhofsgebäude von Eben im Pongau

Idyllisch die friedlich grasenden Kühe in der herbstlichen Vormittagssonne auf satten Wiesen. In Fahrtrichtung rechtes fällt der Blick auf einen markanten Bergspitz, nämlich die 2.344 m hohe Steinfeldspitze. Dann taucht rechts schon der zwiebelige Kirchturm von Altenmarkt im Pongau auf (gotische Dekanatspfarrkirche), dahinter die von den Salzburgern so beliebten Wintersportberge rund um die Schiregion Altenmarkt-Zauchensee sowie Flachau und Wagrain.

Im Bahnhof Altenmarkt ebenso Holzwagen auf dem Ladegleis, der Bahnhof ist auch besetzt. Direkt hinter dem Bahnhof quert die Wagrainer Bundesstrasse niveaugleich die Strecke. Dann kündigt die Durchsage des Zugchefs schon unseren ersten planmässigen Halt in Radstadt an. Die "Verländerung der Eisenbahn" hat ja mit sich gebracht, daß Regionalzüge aus dem Steirischen schon in Schladming kehrtmachen und die aus dem Salzburgischen in Radstadt, statt wie früher die Bundesländergrenzen zu überqueren. Diese Kirchturmpolitik ist strikt abzulehnen.

Stellwerk 2 in Radstadt ist besetzt, ein Mitarbeiter guckt heraus. Links dann das Aufnahmsgebäude von Radstadt, wo einige Leute zusteigen (unser IC ist beileibe kein "Geisterzug", wie von der Frau Minister offenbar in Unkenntnis der Sachlage vor Ort behauptet wurde). Das Buffet ist wie bei der letzten Durchreise geschlossen - jaja, auch so ein Problemfeld, das Sterben der Bahnhofsrestaurationen...

Der Bahnhof von Radstadt ist der 1. planmässige Halt des IC von Bischofshofen kommend

Links hinter einer Geländekante nicht sichtbar das Ortszentrum von Radstatt, rechts schweift der Blick hinein in die Radstätter Tauern und den Einschnitt des Tauernpasses mit dem Wintersportzentrum Obertauern. Radstadt ist bekannt für seinen mittelalterlichen Stadtkern und die fast vollständig erhaltene Stadtmauer.

Nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Radstadt Unterquerung der Katschbergbundesstrasse, welche über Obertauern in den Lungau führt. Der Lungau wird ja von den Salzburger Verkehrspolitikern völlig stiefmütterlich behandelt was den öffentlichen Verkehr betrifft - man kann sich der Forderung Obereggers (Elmar Oberegger) nach einem Dauer-SEV in den Lungau nur anschliessen. Wobei es ja auch vor 100 Jahren Pläne gab, den Lungau mittels Eisenbahn von Salzburg aus zu erschliessen - hier sollte in die Offensive gegangen und eine Lungau-Bahn errichtet werden!

Durch vom Tau feuchte aber umso saftigere grüne Wiesen schlängeln wir uns weiter Richtung Osten. Die neuen Betonmasten der Fahrleitung passen sich weit nicht so harmonisch der Landschaft an wie die alten Eisenmasten, die "Betonfürsten" müssen wohl gut verdienen an der Staatsbahn (wie auch mit den neuen Bahnhöfen im Rahmen der "Bahnhofsoffensive").

Die Haltestelle Ennswald-Forstau existiert nicht mehr (> optimaler Zugang zum Wandergebiet Fagereralm)

Kurz nach der Station Mandling  - gepflegter Bahnhof mit einem rotbekappelen Fahrdienstleiter vor dem Gebäude,  in Fahrtrichtung links, 3 Durchgangsgleise plus 1 Ladegleis - überqueren wir die Landesgrenze zur Steiermark.

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

In langezogenen Kurven geht es Richtung steirische Landesgrenze (4010 001 am 14. Mai 2008 von Salzburg Hbf. nach Graz Hbf.)

Rechts die vom Wintersport devastierten Hänge der Reiteralm mit futuristischer Talstation aber im Sommer grausam anzusehenden Bergflanken. Links das Schigebiet der Hochwurzn sowie die Sonnenterrasse der Ramsau am Fuß des Dachsteins (Erschließung durch die Dachsteinsüdwand-Seilbahn)

Wir durcheilen (das wäre übertrieben, wir durchfahren) die Station Pichl mit je 1 S-bahnartigem Unterstand links und rechts des Gleises und nähern uns unserem nächsten Halt, dem Bahnhof von Schladming. Links die B 146 Ennstalbundesstrasse, rechts die Enns, welche ja im Radstätter Tauernmassiv entspringt und uns anstelle des Fritzbaches seit Radstadt begleitet. Rechts die 1.906 m hohe Planai, bekannt für alpine Schirennen (Abfahrtspiste, Nachtslalom). Schladming ist der bekannteste Ort im oberen Ennstal. Ehem. Bergbaugebiet, Stadtrecht seit 1313, nach Verlust wieder seit 1925. Wintersportort, Weltcuport.

Der Bahnhof von Schladming mit Mittelbahnsteig wird ja grosszügig umgebaut, offiziell primär für die Ski-WM 2013, aber die Absichen der Staatsbahn bei diesen Bahnhofsumbauten gehen weniger in Richtung Kundenorientierung sondern eher in Richtung Personalabbau in den Stationen. Es ist immer das gleiche "Spiel".

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Eine deutsche EC-Wendegarnitur mit einer standardmässigen 101er voran Richtung Bischofshofen-Salzburg im Bahnhof Schladming Noch wurde nicht umgebaut - ein traditioneller an ansehnlicher, harmonischer Bau, der Bahnhof von Schladming

Während rechts in Fahrrichtung sanfte Gras- und Waldberge unsere Fahrt flankieren, tauchen links hinter den sanften Vorbergen die steinernen Ausläufer des Dachsteinmassivs auf.

Die HS Oberhaus Markt Haus, welche dem Ort Haus im Ennstal näher liegt als der kilometer später folgende Bahnhof, existiert nicht mehr. Nachdem uns die Enns einige Zeit rechter Hand begleitet hat, überqueren wir nach sie einer langgezogenenen Rechtskurve auf einer niedrigen Fachwerkbrücke und erreichen Haus im Ennstal, wo im Regelfall Zugkreuzungen stattfinden. So wartet auch schon der IC Graz-Salzburg auf uns und wir durcheilen den rechter Hand liegenden (von Gröbming aus ferngesteuerten) Bahnhof, welcher 3 km vom Ort entfernt liegt. Am Ladegleis wird gerade ein Waggon beladen. In Haus: Hauser Kaibling mit Schigebiet und Sendeanlage. Schiweltcuport für Damen.

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Im Bahnhof von Haus wird meist gekreuzt; knalliges Blau signalisiert den "Steirertakt" im Bundesland Steiermark. Salzburg ist noch nicht so weit und wünschenswert wäre es natürlich, wenn die Regional-Züge wieder über die Bundesländergrenzen hinweg taktmässig verkehren

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Kurz darauf schon die Station Aich-Assach, wo offenbar für den neuen S-Bahntakt die Bahnsteige neu asphaltiert wurden. Der Holzunterstand dürfte jedoch schon älter sein.

Kurz nach der kleinen Gemeinde Pruggern mit Haltestelle (Unterstand links) tauchen linker Hand kurz vor dem Bahnhof Gröbming majestätisch 2 steinerne Riesen auf - der von Gröbming aus auf einer abenteuerlichen Autostrasse zu erreichende Stoderzinken (2.048 m) als Steilabfall der Dachsteingruppe  sowie weiter Richtung Osten das langgezogenen Massiv des wirklich grimming erscheinenden Grimmings.

Dann Gröbming mit schönem alten Bahnhofsgebäude und einer feschen Fahrdienstleiterin mit roter Kappe vor dem Gebäude. Das Ortszentrum ist 2 km entfernt. Hinsichtlich dieser auch auf andern Eisenbahnstrecken anzutreffenden meist historisch bedingten Unzulänglichkeit sollte nachgedacht werden, wie man die Station besser an den Ort anbinden kann (Walkway...??).

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Der Bahnhof von Gröbming, leider weit ausserhalb des Ortes ohne professionelle Anbindung

Wir überqueren auf einer 36 m Brücke den Sölkbach auf einem Eisenkasten (Fachwerk) und dann überqueren wir die Autostrasse in den Naturpark Sölktäler  (Erzherzog Johann Strasse über den Sölkpaß ins Murtal bzw. Lungau). Die nächste Station ist  dann Stein an der Enns, welche offenbar rückgebaut worden ist.

Eine liebliche Landschaft ist das hier, ein bisschen verschlafen wirkt sie aber das soll ja nicht negativ sein.

Ein Fußballplatz kündigt die nächste Gemeinde an und schon fahren wir über die Einfahrtsweiche des (unbesetzten) Bahnhofs Öblarn rechter Hand mit 3 Durchgangsgleisen sowie 2 Ladegleisen.

Dann haben wir linker Hand das Grimmingmassiv (2.351 m) erreicht, dann  der Hubschrauberplatz des Christophorus 14 linker Hand und wir ducheilen (nun schon richtiger formuliert) die HS Niederöblarn ohne nennenswertem Gebäude. Kurz danach Ennsquerung (48 m Fachwerkkasten) und St. Martin am Grimming mit besetztem Stellwerk und Ausweich- und Anschlussgleisen aber seit einiger Zeit ohne offiziellem Personenhalt.

Durch die Ennswiesen mit Teichen schlängelt sich unser IC weiter Richtung Osten, dann links die Steilabfälle des Grimmings mit der Lücke nach Mitterndorf, wo Bundesstraße und Salzkammergutbahn ins Salzkammergut führen. Das Kircherl von Pürgg (romanisches Kleinod, ein wunderbarer Platz da oben!!) grüßt herunter!

Trautenfels hat noch einen Schrankenwärter, hinter dessen Hütterl sich das Schloss Trautenfels aus dem 13. Jhd (heutiger Zustand 17. Jhd., Museum und Ausstellungen) erhebt. Am Fischteich am Fuß des Schloßhügels ißt man vorzüglich (Fisch aber auch anderes). Die HS Trautenfels wurde eliminiert. Querung der B 75 Glattjochbundesstrasse ins Schigebiet Planeralm und nach Donnersbach / Donnersbachwald.

Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Stainach-Irdning mündet von links die Salzkammergutbahn ein. Der Bahnhof in Stainach-Irdning wurde kürzlich umgebaut, 5 überdachte Bahnsteige gibt es jetzt. Wo die Salzkammergutbahn einmündet 2 Ladegleise zu Betrieben/Hallen.

Das Bahnhofsrestaurant "Dopolavoro" sorgt für eine gute Infrastruktur im Bahnhof (sehr zu empfehlen, gutes Preis-/Leistungsverhältnis; Sonntag Sperrtag). Im Normalfall haben die IC´s Anschluß an die Salzkammergutbahn. Bis 1993 wurden die Milchlieferungen auf der Schiene in die Molkerei Stainach transportiert (im Anschluß ca. 100 m an das Bahnhofsgebäude, heute Transport auf der Strasse).

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum  Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Stainach-Irdning, Beginn der Salzkammergutbahn durch das steierische und oberösterreichische Salzkammergut nach Attnang-Puchheim. War man im alten Bahnhofsresti bei der Anni schon gut aufgehoben, so ist man es auch im neuen "Dopolavoro"

Nach der Ausfahrt begleitet uns rechter Hand einige km ein zweites Gleis (zumindest für ein kurzes Wegstück ist die Ennstalbahn zweigleisig), bei dessen Einmündung wir den ehem. Bhf Wörschach-Schwefelbad durchfahren. Beim links in Fahrtrichtung gelegenen Gebäude sind alle Türen und Fenster mit Brettern vernagelt. (neues Gebäude Anfang der 1990 er Jahre errichtet - da fragt man sich schon hinsichtlich Nachhaltigkeit und zukunftsorientiertes Handeln...)

Am Rand des Wörschacher Mooses verläuft die Trasse überwiegend geradlinig, was sich natürlich angenehm in einer höheren Geschwindigkeit zwischen 100 und 110 niederschlägt.

Schon kommt die Durchsage für den nächsten Halt, der Bahnhof der Bezirkshauptstadt Liezen linker Hand ist dann gleich erreicht. Der Bau entspricht dem des  Bf. Hüttau, allerdings mit Bahnsteigveranda und modernisierter Fassade. Gab es vorher nur Schüttbahnsteige so wurden diese im letzten Jahr erneuert.. Es gibt  3 Gleise, Gleis 2 und 3 sind weit auseinander, das wirkt unharmonisch. Bahnsteig 3, wo die S-Bahn wartet, hat nicht einmal eine Überdachung, nur so einen Glaskobl als Unterstand. Unser IC bleibt am Hausbahnsteig mit dem altem Aufnahmsgebäude stehen, aber es sind sicher 200 Meter weiter in Richtung Selzthal als die Sbahn auf Gleis 3 steht. Im Gegensatz zu Stainach-Irdning hat der Bahnhof der Bezirkshauptstadt mit keiner wirklichen Infrastruktur aufzuwarten. Der gesichtlose architektonisch wertlose Gesamteindruck (vom alten Aufnahmsgebäude abgesehen) passt aber bestens zum Umgebungsbild des Ortes Liezen, dieser grässlichen, an oberitalienische Städte erinnernden Einkaufs-Durchzugsstrasse. Dabei soll das Zentrum des Ortes ja gar nicht so übel sein....

Nach Verlassen des Bahnhofs und Überquerung des Pyhrnbaches und der Schoberpassbundesstrasse macht die Trasse einen Rechsschwenk und dann überqueren wir die Enns auf einer 48 m Kastenbrücke und treten die letzte Etappe bis zum Bahnhof Selzthal an. Kurz vor diesem unterqueren wir die Betonbrücke der A 9, der Pyhrnautobahn, welche rechter Hand Richtung Rottenmann Schoberpass in einem kurzen Tunnel verschwindet.

Die Schleife von Selzthal ist immer noch nicht Realtität aber mit den neuerdings auch bei den ÖBB-IC´s eingesetzten Steuerwagen wohl auch nicht sinnvoll und zwecks Umsteigen Pyhrn und Gsäus (wenn es wieder kommt) würde das ja ohnehin wenig Sinn machen.

Nach Überquerung einer 28 m Brücke zwischen dem Unterwerk Selzthal und dem Rundhaus (Lokschuppen) erreichen wir den Bahnknotenpunkt Selzthal. Dieser Bahnhof weist ein herrliches, pompöses (leider nicht entsprechend genutztes) Jugendstilgebäude auf. Der Bahnhof wurde auf tausenden Holzpfählen im Sumpfgebiet der Enns errichtet und ist nach dem Umbau von Bischofshofen und aktuell Salzburg der letzte Inselbahnhof Österreichs. Er steht unter Denkmalschutz genauso wie der alte Lokschuppen. Allerdings wenn man an den Gmundner Seebahnhof denkt, der auch unter Denkmalschutz stand und dann nach zahlreichen politischen Interventionen der Abrißbirne zum Opfer fiel ("Kulturland Oberösterreich") muß man tagtäglich auf der Hut sein!

Selzthal war lange Jahre auch bekannt als erfolgreiches Zentrum für Nostalgiefahrten, welches leider vor einigen Jahren zerstört wurde - der Lokschuppen mit den liebevoll gepflegten Raritäten wurde von der Wiener Zentrale regelrecht geplündert, die wertvollen Stücke nach Wien verschleppt, wo sie dann teilweise mangels Unterstellmöglichkeiten im Freien vor sich hinrosteten oder mangels Einsatzmöglichkeiten bzw. Möglichkeiten zur Wartung verscherbelt wurden. Ein weiteres unrühmliches Kapitel in der neueren Geschichte der Staatsbahn.

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum

Nach dem Umbau von Bischofshofen und Salzburg Hauptbahnhof ist Selzthal nun der einzige "Inselbahnhof" Österreichs. Der prachtvolle Jugendstilbau steht zu Recht unter Denkmalschutz. Leider liegen fast alle Räumlichkeiten des Bahnhofs ausser Nutzung, man enthält sie den Kunden vor. Wie auch das Bahnhofsrestaurant, jetzt ein Bahn-Bistro, das nur wochentags und nur 2 Stunden von 11.30 bis 13.30 geöffnet hat. Kein Einzelfall, das heutige Immobilienmanagement lässt unzählige Flächen lieber brach liegen statt sie zum Wohle der Kunden mit Leben zu erfüllen!

Die Ennstalbahn:

Bauherrin k.k. priv. Kaiserin Elisabeth Bahnges., eröffnet 1875, Elektrifizierung abgeschlossen 1959, eingleisig, normalspurig. Streckenlänge knapp 100 km. Das ohnehin minimale Angebot ist durch Kahlschlag seitens der Staatsbahn und Politik akut gefährdet, obwohl ein erfolgversprechendes Entwicklungspotential gegeben ist.

Forderung:

Aufzählung

Taktverkehr, mind. 2-stündlicher IC-Durchgangsverkehr mit Halt in den zentraleren Orten und zusätzlich mind. 2-stündlicher Regionalverkehr!

Aufzählung

Keine Kirchturmpolitik seitens der Länder!

Aufzählung

Deutliche Beschleunigungsmaßnahmen (Salzburg-Graz max. 3,5 Stunden!)

Aufzählung

Optimierte Anbindung der Orte an die Stationen (bzw. viceversa)

Aufzählung

Optimale Anbindung der "Ennstal-Sprinter" an die Salzkammergutbahn Richtung Attnang-Puchheim (stündlich durchgehend, bis mindestens ab Stainach-Irdning 20 Uhr) sowie die Pyhrnbahn, Schoberpaßstrecke und durch das Gesäuse nach St. Valentin/Amstetten

Aufzählung

Anbindung auch des Salzburger Lungaus an die Ennstalbahn (kurzfristig SEV, mittelfristig Errichtung der Lungaubahn Radstadt - Mauterndorf und Anbindung an das Lungauer Schmalspurnetz mit Erweiterung des Netzes nach St. Michael)

Nur ein wirkliches Netz (keine Verstümmelungen!) ist nachhaltig von Erfolg gekrönt!

       Ennstalbahn Bischofshofen - Selzthal über Stainach-Irdning. Bericht von DEEF / Dr. Michael Populorum             

4010 001 übernimmt in Bischofshofen die Führung anstelle des von Salzburg aus führenden 6010 009

Alle Fotos DEEF / Dr. Michael Populorum 2008-2011 (Lumix TZ 3 und TZ 4)

Linktips:

DEEF: Salzburg Tiroler Bahn (Giselabahn) >>>

DEEF: Die Salzkammergutbahn >>>

Bahnhofsrestaurant Stainach-Irdnung: Der Pfannengucker testete das Restaurant >>>

Medien: SR-Film & Video 1993 "Die Ennstalbahn" (3 Teile, Teil 1 Bischofshofen-Selzthal)

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur DEEF;  Erstmals online publiziert: 24. September 2011; Änderungen: -

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Last modified  Sonntag, 24. Mai 2015 22:13:41 +0200
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