DEFF Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung Dr. Michael Populorum AustriaEisenbahnforschung # Eisenbahn-Archäologie # Eisenbahn-Geographie # Eisenbahn-Geschichte

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Ein Rundgang durch das Eisenbahnmuseum in Triest

Triest, das ehemalige Tor Österreichs zu Welt, hat für den Eisenbahnfreund einiges zu bieten - unbedingt ansehen sollte man sich jedenfalls das dortige Eisenbahnmuseum. Es ist am Endpunkt der sogenannten Transalpina - der k.k. Staatsbahnverbindung von Österreich nach Triest über Tauernbahn - Karawankenbahn - Wocheinerbahn  und Karstbahn - situiert. Der momumentale Bahnhof vor den Kais des heutigen Jacht-Hafens (Franz Joseph Hafen von 1909/1915) hat zwar schon bessere Zeiten erlebt, aber ein Schuss Patina hat auch seine speziellen Reize.

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Endpunkt der Transalpina und heute Eisenbahnmuseum - Triest kkStB St. Andrae, später Campo Marzio. Der Eingang mit prächtigem Saal befindet sich landseitig links im Bild bei den beiden Türmen, in der Mitte im Vordergrund befand sich der Ausgang zum Meer und dem Molo hin. Heute befindet sich in diesem vorderen Trakt ein Fitness-Studio, ist also nicht öffentlich zugänglich. Die Fenster im meerseitigen Bereich sind ob der stürmischen Winde (Bora) dreifach verglast

Im Italienischen heisst das Museum "Museo Ferroviario di Trieste Campo Marzio" und deutet an, dass die Exponate am Endbahnhof der ehem. Transalpina, im Bahnhof Trieste Campo Marzio, untergebracht sind. Ursprünglich in der Zeit der Österreicher hieß der Bahnhof allerdings Triest kk StB St. Andrae, erst die Italofaschisten benannten den Bahnhof nach der Okkupation Triests im Gefolge des 1. Weltkriegs in Campo Marzio um. Mussolini ließ auch das große Eisendach über die Bahnsteige im 2. Weltkrieg einschmelzen, sodaß sich heute den Besuchern ein eher trauriges Bild vom Bahnhof bietet.

Triest St. Andrae bzw. Campo Marzio war der Bahnhof der k.k. Staatsbahn in Triest, die k.k. priv. Südbahn hatte ihren eigenen Bahnhof, nämlich den heutigen Hauptbahnhof Trieste Centrale. Der planmäßige Personenverkehr zum Bahnhof Campo Marzio wurde 1959 eingestellt, jedoch wurden bis vor einigen Jahren Nostalgiefahrten ab Campo Marzio durchgeführt - sie führten über die alte Staatsbahntrasse nach Villa Opicina und von dort über die Südbahnstrecke via Auresina zurück nach Triest. Diese beliebten Fahrten wurden unter dem Namen "Rondo´ de Trieste" vermarktet, finden aber momentan nicht statt, da die italienische Staatsbahn, welche die alte Staatsbahntrasse nach Villa Opicina als Ausweichstrecke für Güterzüge in Schuss hielt, die Strecke etwas verlottern ließ und sie aktuell gesperrt ist.

Die Verbindung von Staatbahnhof (St. Andrae bzw. Campo Marzio) und dem Bahnhof der Südbahngesellschaft (Triest Centrale) stellte die Riva Bahn (errichtet 1887) her, deren Gleise oberirdisch an den Hafenbecken entlang lief. Nachdem man 1981 einen Ringtunnel in Betrieb nahm, der die Hafenanlagen rund um den alten Staatsbahnhof mit den Gleisen Richtung Auresina (und auch Triest Centrale) verbindet, wurden die Gleise der Riva Bahn abgebaut.

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Tunnelportal des 1981 eröffneten Ringtunnels nach der Bahnhofsausfahrt von Trieste Centrale

Der Triestiner Staatsbahnhof war nicht nur Endpunkt der Transalpina, sondern auch der zwischenzeitlich stillgelegten normalspurigen Bahnstrecke Herpelje-Triest sowie der schmalspurigen Parenzanerbahn  Triest St. Andrae – Buje – Parenzo (Porec). Dazu noch die Schleppbahn Triest-S. Sabba. Auf den ausgedehnten Gleisanlagen finden heute nur mehr bescheidene Güterverschübe statt.

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Gleisplan Triest kkStB St. Andrae um 1912 (Quelle: Viktor v. Roell). Nach rechts schließt sich der Verschubbahnhof an sowie Drehscheibe und Kohlebunker

Betreiber des Museums ist der Verein "Associazione Dopolavoro Ferroviario di Trieste", ein Verein von zumeist ehemaligen Eisenbahnern. Wie zu hören ist, soll sich die Stadt Triest hinkünftig stärker für das Museum engagieren, was auch dringend notwendig ist, wenn man sich den Zustand des alterwürdigen Gebäudes ansieht.

Im Inneren des imposanten Gebäudes findet man u.a. Fotographien, Pläne und Modelle aus allen Epochen der Eisenbahngeschichte Triests, Uniformsammlung, Signaltechnik, Sicherungstechnik, Bahnstromversorgung sowie eine Bibliothek. Im Außenbereich können zahlreiche Lokomotiven, Triebwägen, Straßenbahnwägen, Waggons sowie Sonderfahrzeuge besichtigt werden.

Nachfolgend ein kleiner fotographischer Rundgang durch das Bahnhofsgebäude sowie das Außengelände mit den ehemals 24 Gleisen.

Mein Dank gilt Herrn Franco Gioseffi, der mich fachkundig durch das Museum führte.

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Die dachlose Gleis-"Halle" und die umgebenden Mauern des Bahnhofs strahlen eine interessante Atmosphäre aus - man hat das Gefühl, in einer Arena zu sein

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Modell des Bahnhofs mit der Eisenüberdachung

 

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Ein buntes Sammelsurium an Lokomotiven und Waggons erwartet den Besucher

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E 645 063 ist noch fahrbereit, die Oberleitung steht unter Strom. Die Baureihe wurde zwischen 1959 und 1960 als Weiterentwicklung der BR 646 in einer Anzahl von 32 Lokomotiven gebaut

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Auch Rost kann fotogen sein

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Das weitläufe Areal des Bahnhofs Campo Marzio, wo noch Güterverkehr abgewickelt wird

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Solche Triebwägen kenne ich noch aus meiner Kindheit

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Masterplan scheint es für das Museum keinen zu geben - was wird aus den ganzen rostigen Ausstellungsstücken werden? in 10, in 20 oder 30 Jahren?

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Die Natur verschlingt die Technk

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Kesselwaggon, Dieselverschublok, Straßenbahnwaggon

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Auto auf Schienen

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Triest hatte auch einmal eine Straßenbahn, nämlich von 1876 bis 1970. Heute gibt es nur mehr eine Linie, nämlich die  Überlandstraßenbahn von Triest nach Opicina

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Alter Standseilbahnwagen, mit dessen Hilfe die Straßenbahn Triest - Opinica das steilste Streckenstücke überwinden kann. Seit 2005 sind neue Standseilbahnwagen im Einsatz

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Prächtig, vor allem wenn man sich heutige Bahnhöfe ansieht

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Für den Besuch des Museums sollte man sich schon ein paar Stunden Zeit nehmen

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Der Architekt des Bahnhofshof heißt Robert Seelig, ein Architekt aus Wien. Er hat sich für den Normalbesucher kaum sichtbar hoch oben im Gesims verewigt

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Man beachte den herrlichen Boden

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Die Reisenden konnten davon ausgehen, dass sie am Bahnhof nicht frieren müssen - heutzutage ist das nicht mehr so sicher, vgl. den zugigen neuen Salzburger Hauptbahnhof

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Interessantes Detail in einem Ausstellungsraum - eine Klingel! Auflösung des Rätsels: Der Raum diente früher als Bahnhofsrestaurant und die herrschaftliche Kundschaft konnte dem Kellner klingeln

 

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Herrliches Eintrittsportal, darüber das Flügelrad

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Im Bahnhof befindet sich immer noch eine Bar (The Tender) und wird von einem urigen Kauz geführt. Seine politische Einstellung lässt sich aus den Mussolini-Devotionalien deutlich ablesen

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Die Aussenfassade bröckelt leider sehr stark, die Fenster sind am Ende - hier ist dringender Sanierungsbedarf gegeben

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An dieser Stelle sei ein Appell an die Stadt Triest sowie den Denkmalschutz und andere staatliche italienische Stellen gerichtet, dieses herrliche Museum in diesem Prachtbau von Bahnhof mehr zu unterstützen, um Gebäude wie Ausstellungsstücke auch noch späteren Generationen in einem ordentlichen Zustand präsentieren zu können!!

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Canal Grande Triest

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Blick auf Stadt und Hafen von Triest

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur Railway Research Austira / DEEF; 
Erstmals Online publiziert: 15. Feber 2016; Letzte Ergänzung:

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Last modified  Montag, 15. Februar 2016 11:31:25 +0100
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