DEFF Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung Dr. Michael Populorum AustriaEisenbahnforschung # Eisenbahn-Archäologie # Eisenbahn-Geographie # Eisenbahn-Geschichte

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A: Die Donauuferbahn Teil 3: Kulturfrevel in Niederösterreich - die vom Abriss bedrohte Strecke durch Strudengau und  Nibelungengau Sarmingstein - Persenbeug - Emmersdorf

Die Donauuferbahn in ihrer Gesamtheit hat das Potential für eine touristische Strecke allererster Güte - in der Schweiz würden hier stündlich "Donau-Express-Züge" mit Panoramawaggons, offenen Cabriowagen und Speisewagen (betuchte) Touristen durch die herrliche Natur- und Kultur-Landschaft kutschieren, Zwischenstopps mit Degustationsmenüs und Weinverkostungen in den pittoresken historischen Städtchen würden die Fahrgäste und die Touristiker erfreuen und auch die Einheimischen hätten dann eine regelmässige Anbindung an den Öffentlichen Verkehr.

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Burgruine Weitenegg im geschichtsträchtigen und landschaftlich herrlichen Nibelungengau - leider ist die Bahn dank Niederösterreichischer "Verkehrspolitik" stillgelegt und mehr noch - es droht die totale Vernichtung und somit ist auch aufgrund schlechter Busverbindungen diese Gegend schlecht bis gar nicht (Wochenende!) erreichbar

Doch wir sind in Österreich und nicht in der Schweiz, konkreter gesagt in Niederösterreich, bekannt einst für ein reichhaltiges Schienennetz, in den letzten Jahren berühmt berüchtigt für die Vernichtung von Eisenbahnstrecken und für einen mehr als dürftigen Öffentlichen Verkehr.

Die Schienenstränge in diesem Abschnitt laufen entlang der Donau in hochwassersicherer Hanglage durch die historischen Landschaften "Strudengau" (östlicher Teil) und "Nibelungengau" von Sarmingstein bis Emmersdorf. Die Strecke ist aktuell - von bescheidenem Güterverkehr ganz im Westen abgesehen - stillgelegt und vom Totalabriss durch das Land NÖ, vertreten durch die NÖVOG, bedroht! Das wäre nicht nur ein (volks-) wirtschaftlicher Schaden für die Region sondern eine Schande für ein angeblich zivilisiertes Land wie Österreich!

Daher unser dringender Appell an das Land Niederösterreich und die dort herrschende ÖVP, diesen Streckenabschnitt nicht vorschnell zu demolieren sondern zu konservieren, um dann in Ruhe ein nachhaltiges Tourismuskonzept umsetzen zu können, wo die Basis, die Lebensader, eine durchgehende 108 km lange Donauuferbahn ist.

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Ortsteil Weitenegg der Markt-Gemeinde Leiben, man lebt hier vom Tourismus. Bei meinem Besuch im Sommer 2017 marschierte ich zu Fuß entlang der Schienen von Emmersdorf hierher. Gezeichnet vom Marsch in praller Sonne wollte ich im prächtigen lokalen Gasthof einkehren. Leider konnte ich nur schnell ein Bier hinunterkippen, denn aufgrund der Schulferien war der Fahrplan des Autobusses so desaströs, dass ich keinen längeren Aufenthalt für ein Essen planen konnte, ohne dann den Zug in Emmersdorf zu versäumen. Die Donauuferbahn in diesem Abschnitt zu vernichtet bedeutet nicht nur eine Schädigung des gesamten sanften Tourismus in der Region aufgrund der amputierten Strecke, sondern in den Ortschaften des Nibelungengaus ist es eine direkte Torpedierung der touristischen Rahmenbedingungen. Denn der Verkehr auf der Autostrasse durch die Wachau ist bereits in einem Ausmass angewachsen, der für die Zukunft nichts Gutes erwarten lässt

Zur Geschichte:

Nachdem 1898 der Verkehr bis Grein möglich war, dauerte es noch einige Jahre, bis nach Krems gefahren werden konnte. Nachdem ein früheres Projekt an der Finanzierung gescheitert war, wurde am 14.12.1905 die Konzession zum Bau an die Lokalbahn Mauthausen-Grein vergeben. Der Baubeginn war jedoch erst im Dezember 1907, aber schon 2 Jahre später am 4.12.1909 konnte der Verkehr auf dem letzten Abschnitt der Donauuferbahn von Grein-Bad Kreuzen nach Krems aufgenommen werden - im Vergleich zu heute eine extrem schneller Baufortschritt!

Die Betriebsführung lag beim Staat auf Rechnung der Eigentümer, der Lokalbahngesellschaft. Am 1.1. 1930 wurde die Lokalbahngesellschaft verstaatlicht, im Jahr 2010 wurde der Niederösterreichische Anteil an der Donauuferbahn vom Land Niederösterreich den ÖBB abgekauft und sofort wurde der Planverkehr eingestellt.

Während im Abschnitt Krems - Emmersdorf in Folge ein saisonaler Touristikverkehr etabliert wurde, droht dem ca. 19 km langen Abschnitt von der Landesgrenze bis Emmersdorf die Totalvernichtung durch das Land Niederösterreich - ein wahrlich barbarischer und kurzsichtiger Akt des offenkundig eisenbahnfeindlichsten Bundeslandes Österreichs.

Kunstbauten in diesem Abschnitt:

Emmersdorfer Viadukt mit 8 Bögen, Wahrzeichen des Ortes

8 Tunnel, nämlich

Kleiner Sarmingstein Tunnel, 40,75 Meter

Persenbeuger Tunnel, 344,73 Meter

Trausinger Tunnel, 34,30 Meter

Marbacher Tunnel, 201,80 Meter

Schallmarbacher Tunnel, 156 Meter

Klein Pöchlarner Tunnel, 209 Meter

Weitenegger Tunnel, 159,30 Meter

St. Georgener Tunnel, 56,55 Meter

Die Stationen:

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Sarmingstein, Haltestelle, km 68,1 (von Krems), 243 m.ü.d.M.

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Hirschenau-Nöchling, Betriebsstelle für GV, Haltestelle aktuell kein PV, km 65,2

Bundesländergrenze Oberösterreich / Niederösterreich

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Weins-Isperdorf, Betriebsstelle für GV, Bahnhof aktuell kein PV, km 60,2

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Bis Weins-Isperdorf erfolgt noch Güterverkehr und die Strecke wird offenkundig halbwegs gepflegt. Das Aufnahmsgebäude dürfte nun privaten Zwecken dienen

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Persenbeug Staudamm, ehem. Haltestelle bis 1958, km 56,4

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im Bereich der ehem. Haltestelle Persenbeug Staudamm kurz vor dem Persenbeuger Tunnel

 

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Im Persenbeuger Tunnel Blickrichtung Ost

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Blick aus dem Persenbeuger Tunnel in Richtung ehem. Haltestelle

 

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Donaukraftwerk Ybbs Persenbeug, eröffnet 1959 als erstes Wasserkraftwerk der Österr. Donaukraftwerke

 

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Das urkundlich erstmals im Jahre 907 erwähnte Schloß Persenbeug. Gegenüber am rechten Ufer der Donau befindet sich das nette Städtchen Ybbs an der Donau. Dieses Städtchen hatte einst eine Straßenbahn, welche von 1907 bis 1953 das Stadtzentrum mit dem ausserhalb gelegenen Bahnhof an der Westbahnstrecke verband.

 

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Die ehem. Straßenbahn Ybbs

 

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Persenbeug, Bahnhof aktuell kein PV, km 55,0; 230 m.ü.d.M.

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Die Gleise sind hier  im Raum der Einfahrtsweichen des Bahnhofs Persenbeug "pro forma" abgesperrt

 

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"Bahnhofsromantik" Persenbeug

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Das schmucke und eigentlich recht groß ausgeführte Aufnahmsgebäude von Persenbeug

 

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Eigentlich könnte hier morgen wieder ein Zug fahren wenn man möchte seitens der Niederösterreichischen ÖVP-Politik

 

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Loya, Ladestelle aktuell ohne Bedienung, km 52,5

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Marbach-Maria Taferl, Bahnhof aktuell kein PV, km 48,4

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Klein Pöchlarn, Bahnhof aktuell kein PV, km 43,9 (> Donaubrücke zur Westbahnstrecke, geplant)

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Lehen-Ebersdorf, Haltestelle aktuell kein PV, km 40,1

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Weitenegg, Bahnhof aktuell kein PV, km 38,3 (> Lokalbahn Martinsberg-Gutenbrunn, geplant)

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Hier der im Dornröschenschlaf befindliche ehem. Bahnhof Weitenegg mit dem Westportal des 159 m langen Weitenegg Tunnel sowie den Zinnen der Burgruine Weitenegg. Interessanterweise war beim Besuch der Örtlichkeit im August 2017 teilweise das Gras und Gebüsch frisch geschnitten und ein Stapel neuer Betonschwellen lag im ehem. Bahnhofsgelände. Und nun soll alles demoliert und die Tunnelportale zugeschüttet werden??

 

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Westportal des 160 m langen Weitenegger Tunnels

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Im Weitenegger Tunnel

 

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Ostportal des Weitenegger Tunnels

 

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Brücke kurz nach dem Weitenegger Tunnel in Richtung Osten

 

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Westportal des St. Georgenertunnels, 57 m lang

 

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Ostportal des St. Georgenertunnels und Hektometerstein 37,4 (km ab Krems an der Donau)

 

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Rollfähre Melk, ehem. Haltestelle bis 1974, km 35,2

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Kurz vor der ehem. Haltestelle Rollfähre Melk

 

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Ein Symbol für die Niederösterreichische Verkehrspolitik - willkürlich herbeigeführte Streckensperre knapp hinter Emmersdorf bei Streckenkilometer 34,4

 

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Herrlicher Blick vom Emmersdorfer Viadukt hinüber über die Donau auf Stift Melk -Bahnfahrgästen aktuell nicht mehr möglich dank der Stilllegung seitens des Landes NÖ

 

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Der prächtige 8-bögige Emmersdorfer Viadukt, aktuell unbefahren

 

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Emmersdorf, Bahnhof, km 34,1; 238 m.ü.d.M. Endpunkt der von der NÖVOG saisonal betriebenen Wachaubahn nach Krems

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Der alte Dorfkern von Emmersdorf an der Donau, Eingangspforte zur Wachau und zum Nibelungengau. Schienenmässig ist man allerdings Richtung Nibelungengau und Bundesland Oberösterreich aktuell abgeschnitten

Unser dringender Appell an das Land Niederösterreich und die dort herrschende ÖVP, diesen Streckenabschnitt nicht vorschnell zu demolieren sondern zu konservieren, um dann in Ruhe ein nachhaltiges Tourismuskonzept umsetzen zu können, wo die Basis, die Lebensader, eine durchgehende 108 km lange Donauuferbahn ist.

Teil 4: Die saisonale Touristikbahn der NÖVOG durch die Wachau (Wachaubahn) Emmersdorf - Spitz - Krems >>>

Achtung aktuell: Petition an das Land NÖ zur Abwendung der Demolierung des Abschnitts 2 der Donauuferbahn! Eisenbahnfreunde, bitte unterzeichnen!

https://donauuferbahn.aktivist.in/

Literatur:

Wegenstein Peter, 1992: Die Bahn durch die Wachau. Die Strecke Absdorf-Hippersdorf - St. Valentin. Bahn im Bild, Band 85. Verlag Pospischil.

DEEF Beitrag Donauuferbahn  in 4 Teilen:

Teil 1 "Die Donauuferbahn - Überblick" >>>

Teil 2 "Die Donauuferbahn in Oberösterreich von St. Valentin bis Sarmingstein" >>>

Teil 3 "Die Donauuferbahn in NÖ von Sarmingstein bis Emmersdorf" >>> dieser Beitrag

Teil 4 "Die Donauuferbahn in NÖ von Emmersdorf bis Krems" >>>

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Ob da je wieder ein Zug durchfahren wird? In der Schweiz wäre das kein Thema, aber in Niederösterreich gehen die Uhren anders und Regionalbahnen werden nach wie vor vernichtet anstatt ausgebaut. Federführend die dort absolutistisch herrschende ÖVP

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur Railway Research Austira / DEEF; 
Erstmals Online publiziert: 10. Oktober 2017; Letzte Ergänzung:

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Last modified  Dienstag, 10. Oktober 2017 19:32:48 +0200
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